Freitag, 20. Februar 2009

Terrorverdächtige Minderjährige malen Bilder von Menschen mit Turban

Ich will diesen Blog ja nicht über die Maßen politisieren und schon gar nicht überdeutschen, aber was zur Hölle geht denn bei Euch in Deutschland bitte ab? Hier!

Da kann man ja die Gesetze zur Stammzellenforschung und zur Terrorzellenbekämpfung auch gleich noch zusammenlegen, denn ich bin mir sicher, bald kommt der erste, der beisteuert, dass man solche "Tendenzen zum Bösen im Blut" haben müsste. Womit die christlich-moralistische Union dann natürlich vor einem Dilemma stünde. Dürfen künstlich befruchtete Eizellen auf ihr Erbgut untersucht werden, wenn man dadurch ausschließen kann, kleine Terroristen an unser gesegnetes deutsches Erdenlicht zu bringen? Kann man eine so große Bedrohung einfach der Allmacht Gottes überlassen? Und welchen Sonderweg kann Bayern gehen? Ich denke, die Union steht vor einem heftigen Flügelkampf und präge hiermit schon einmal die sicherlich dabei noch häufig benötigten Vokabeln "Konservo-Sponti" und "Christ-Realo".

Viel Spaß ansonsten weiter im schönen Deutschland und passt auf, dass sich in eurer Umgebung keine Kinder aufhalten, die ihre Weihnachtssterne rot ausmalen.

Donnerstag, 19. Februar 2009

Schnipp, schnapp, Haare ab

Zumindest streckenweise galt das für meinen bisher natürlich dahinwallenden Kopfschmuck, nachdem ich mich zum zweiten Mal in einer der geräumigen vier Quadratmeter-Bretterbuden eingefunden hatte, die man in unserem schönen Stadtteil Friseur nennt. Den neuen Hair-Stylisten hatte ich beim Billardspielen kennen gelernt und gehofft, dass er mit der Schere ähnlich zielsicher wäre wie mit dem Queue. Ob dem so ist, konnte ich leider nicht abschließend herausfinden, denn der gute Mann benutzt vornehmlich Rasierer und besitzt lediglich eine kleine Bastelschere, wie Kinder sie benutzen um possierliche Elefanten aus buntem Papier zu schneiden. Meine Frisur glich dann nach dem „Friseurbesuch“ auch ungefähr der der Dickhäuter und ein ähnlich dickes Fell brauchte ich dann auch für den Rest des Tages, ehe ich am folgenden Vormittag professionelle Hilfe in Anspruch nahm. Alles retten konnten die dann auch nicht mehr, denn Haare anzukleben war nicht möglich, allerdings kam der Reparatur-Friseur mit tollen Vorschlägen, meist mit der Begründung „dann sieht es wenigstens beabsichtigt aus“. Somit bin ich nun vorerst sportlich kurz behaart mit einigen schicken Features, weil Kollege Nummer eins sich entschieden hatte, meine Hinterkopfbehaarung auf halber Höhe einfach komplett abzurasieren. Mit einer formschönen schrägen Linie wohl gemerkt.

Nachher… Auf vielfachen Wunsch trage ich jetzt übrigens nur noch dieses Hemd. Außerdem soll hier ja ein Vergleich unter bestmöglichen Bedingungen gewährleistet werden. Kenner der Szene wissen, dass sich weiter unten Ablichtungen aus dem Zottel-Stadium finden.

Der Lerneffekt dieser Geschichte liegt darin, dass es sich meist lohnt unternehmerische Selbstinitiative in Townships zu unterstützen. Nur nicht immer für den Kunden. Und auch nicht immer für den Anbieter, wenn er wie im Falle meines Township-Friseurs nach einer guten Stunde kreativen Gestaltens 15 Rand (1,20 Euro) verlangt. Wenigstens muss er davon aber nicht auch noch Scheren kaufen.

Dienstag, 17. Februar 2009

Schnarr, krrspp, trrr

Wer meine sanfte und dennoch authoritätsgeladene Stimme schon länger vermisst, bekommt jetzt von der Deutschen Welle die großartige Gelegenheit mal wieder reinzuhören. Circa zwei Antworten sind vom Interview zum Thema Blogs in Südafrika übrig geblieben. Wer den Sound dieses Telefoninterviews hört, kann aber schnell verstehen, warum die Kollegen es so kurz geschnitten haben.
Herausragend ist allerdings, dass der Moderator gesondert darauf eingeht, dass ich tatsächlich Selzsam heiße. Der Identitätswechsel macht Fortschritte und bald lebe ich auch nur noch digital und in Dolby Surround. Wobei ich ja ursprünglich eher ein Stereo-Typ war. Ehe das Niveau noch tiefer rutscht, hier der Link.

Montag, 16. Februar 2009

Selz gegen Fels



Es ist zwar schon eine Weile her, zwei Wochen, um genau zu sein, aber die folgende Fotostrecke, die in Anbetracht ihrer bewegenden Aussagen sicherlich auch bald beim World Press Foto Award in den heiligen Hallen von Gruner + Jahr in Hamburg zu sehen sein wird, und deren Emotionsgehalt höher ist, als dieser überhaupt nicht verkapselte Einleitungssatz lang, wollte ich Euch, verehrte Leserschaft, nicht vorenthalten.

Das Ereignis von Weltformat, um das es hier geht, trug sich im legendären Zwischenseminar zu, dass kleine Weltwärts-Freiwillige wie ich besuchen dürfen und müssen – oder müssen und dürfen, die Experten sind sich da nicht ganz einig. Ich jedenfalls wollte sehr gern, zumal der Ort des Geschehens Kapstadt (siehe auch: → Stadt, schönste der Welt) war. Um uns ganz auf die Inhalte des Seminars besinnen zu können, verbrachten wir die drei Tage Wochenende dieses einwöchigen Seminars allerdings fernab wesentlicher Zivilisation in einem Naturreservat in den Bergen, drei Autostunden von Kapstadt entfernt. Nun sind die Samstagabende auf der Long Street nicht unbedingt das Langweiligste, was man auf Erden erleben kann, weswegen ich anlässlich der Ankündigung dieses Ausflugs zugegebenermaßen nicht nur reine Freude verspürte. Es ist auch tatsächlich tendenziell fies, wenn Freunde einem dann per SMS mitteilen, dass man sich fertig machen soll, weil in zwei Stunden die und die Bands in der und der Bar spielen würden und man gerade in sein Tourtagebuch schreibt, welche Auswirkungen auf das persönliche Teamgefühl die nachmittägliche Klettertour hatte. Trotzdem, auf der anderen Seite ist so eine Bergtour verdammt erholsam, man kriegt den Kopf extrem frei, wenn man sich für Stunden einfach nur von einer Klippe mitten im Nichts den nächtlichen Sternenhimmel anschaut, der sich in einer Klarheit erschließt, die Wahl-Stadtkinder wie ich schon kaum noch kannten. Und in Kapstadt ist auch der Montagabend noch so partytauglich wie drei komplette Wochenenden in Port Elizabeth zusammen. Oder vier. Doch darum geht es hier auch gar nicht, es geht um die bereits erwähnte Klettertour.

Auf dem Bogen, den der Veranstalter der Tour vorher unterschrieben haben wollte, um sämtliche Todesfälle, Invaliditäten und sonstige Gebrechen im Nachhinein auf unsere eigene Verantwortung abschieben zu können, wie man das als Veranstalter eben macht, hatte ich noch brav und ehrlich mein Kreuz bei Höhenangst gemacht. Als ich dann lang und breit über die Sicherheit der Seile, Helme und Karabiner aufgeklärt worden war, die uns an der Felswand vor dem Sturz in die Tiefe bewahren würden, hielt ich meine Angst allerdings doch für rational ziemlich unbegründet. Kaum zwei Meter höher sah mein Körper das dann allerdings wieder komplett anders und zwang mich, mit vor Angstschweiß triefenden Händen auf den kurzen Seilweg zurück nach Mittelerde. Schöner Mist, dachte ich mir und sah den anderen fortan zu, wie sie mit meist verblüffender Leichtigkeit die Klippe empor schwebten. Oder so ähnlich. Nein, natürlich gab es noch mehr so kletterbegabte Menschen wie mich, aber nach einem ordentlichen Mittagessen am Felsen sollte all das nicht mehr als Ausrede gelten. Wenigstens den leichteren der zwei Wege auf die Klippe wollte ich mich hoch hangeln.

Dass das tatsächlich klappte und mit welch glorreichem Kraftakt, mit welchen unfassbaren Emotionen und welchem unaufhaltbarem Elan all das geschah, kann jedoch kein Text wiedergeben. Daher hier die Bilder. Man sieht mich darauf übrigens noch mit voller Haarpracht. Diese ist inzwischen wesentlich dezimiert, was noch eine Geschichte für sich war. Die erzähle ich aber ein anderes Mal.

Erstmal ordentlich vergurten. Schließlich lauert der Tod mit 9,81 Metern pro Quadratsekunde, der olle Schlingel.

Da soll der Helm hin.

Das muss doch irgendwie passen...

Fertig. Na dann auf in den Kampf!

Auch das Sicherungsteam strotzt vor Elan.

Der hundsgefährliche Einstieg in die Wand des Grauens.


Ein Überhang nahm überhand.

Im Stile eines Bergleoparden...

Glaubt mir, das Bild täuscht, ich bin oben. Es war mir leider aus Sicherheitsgründen nicht genehmigt, mich auf die Klippe zu setzen.

In den Seilen hängen.

So sehen Helden aus!

Mittwoch, 28. Januar 2009

Hört hört...

Soeben interviewte mich eine Kollegin von der Deutschen Welle. Thematisch drehte sich das um diesen schnieken Blog und meine bahnbrechenden Bewertungen des Bloggens in Südafrika werden am nächsten Samstag, 7. Februar, einem Millionenpublikum vor den Rundfunkempfängern zugänglich gemacht. Also, kauft euch Radios! Mein Tipp für einen besonders herzlichen Hörgenuss: hier.

PS: Vorher lesen wir uns auch kaum noch, da ich ab heute Nachmittag für acht Tage nach Kapstadt zum Weltwärts-Zwischenseminar aufbrechen werde. Also bis nächste Woche, dann sogar noch schlauer...

Mittwoch, 21. Januar 2009

Meer statt Supermarkt

So stell ich mir meinen idealen Feierabend vor: Montagnachmittag, 17.20 Uhr, es reicht mit der Arbeit. Schnell Mitbewohner, Schnorchel, Taucherbrille, Schwimmflossen, Handtuch, Badehose und Angelkram im Auto verstaut und ab ans Meer. 17.30, Schoemakerskop, Küste des Atlantischen Ozeans: Der Wind ist relativ stark heute und peitscht die Wellen gegen die Klippen. Weil aber Flachwasser ist, lässt es sich in den Rillen hinter der ersten Felsenfront doch noch ganz passabel schnorcheln. In meiner Existenz als Spielball in den Strömungen der ein und auslaufenden Wellen ergattere ich die erlaubten fünf Alikreukel. Alikreukel sind Seeschnecken, die im Slang auch Perdecloue genannt werden, da ihr Fuß aussieht wie ein Pferdehuf. Exakt dieser Fuß ist gekocht, gegrillt oder gebraten sehr schmackhaft. Als kurzer Exkurs hier meine zwei Lieblingsrezepte:

1) Alikreukel samt Schale in die Glut des Grills (Holz bitte!) legen und die Öffnung der Muschelschale bis zum Rand mit Bier füllen. Wenn das Bier so weit verkocht ist, dass an der Oberfläche nichts mehr zu sehen ist, vom Feuer nehmen. Dann die Schnecke rausziehen, fix säubern und das Fleisch mit Butter bestreichen sowie mit etwas Salz und Pfeffer bestreuen. Hamm und Schlemm!!!
2) Alikreukel 15 Minuten in Wasser kochen, abgießen und abkühlen lassen. Die Schnecken rausziehen, säubern und das Fleisch vierteln. Die Viertel anschließend kurz (!) mit viel Butter sowie etwas Pfeffer und Salz in der Pfanne anbraten. Nicht zu lange auf dem Herd lassen, sonst wird das Fleisch trocken. Guten Appetit!

Nun zurück ans Meer, denn mein Hunger und der meiner Mitbewohnerinnen war ja noch längst nicht gestillt. Während die Damen es sich auf ihren Decken bequem machten, kraxelte ich mit meiner Angel auf einen Felsen um ein Stück Sardine mit Haken in die Brandungsgischt zu werfen. Ich musste noch so manches Stück nachwerfen, denn dort lebten Tiere, die anscheinend einen unstillbaren Appetit hatten. Gesättigt war am Ende, nach nur einer Stunde, aber ich. Die verantwortlichen dafür zeigen sich auf folgendem Foto. Laut Bestimmungsbuch alles sehr gute Speisefische, was sie in einer Weißwein-Butter-Knobloch-Rosmarin-Sauce allesamt bewiesen.

Von links: Zebra, Weiße Stumpfnase, Zackenbarsch, Steinbrasse; darüber Alikreukel

Gerade noch rechtzeitig vorm Einlaufen der Flut habe ich meinen Felsen verlassen. Es steht aber fest, dass ich wieder komme. Mal sehen, was für Fischarten sich da sonst noch so rumtreiben. Petri Dank!

Sonntag, 18. Januar 2009

The Cape still in shape



Oh wie war das schön, endlich wieder zurück im Western Cape zu sein. Von Weihnachten bis Anfang Januar zog es mich zum Weihnachtsurlaub zurück an altbekannte Orte entlang der Garden Route und natürlich in die schönste Stadt der Welt – Kapstadt. Bis Neujahr hatte ich dabei reizende Begleitung von meiner Schwester, der es zwischen Kanufahren, Wasserfallbaden, Strandgammeln, Paragliden, Grillen, Grillen, Grillen, Tafelberg Wandern, Pinguine Besuchen und Silvester im Großstadtdschungel auch eher selten langweilig wurde.


Weiße Weihnacht im Tsitsikama National Park

Nur Fliegen ist schöner.

Fliegen

Mein Boot. Haus und Auto sind im Wald versteckt.

Kap der Hoffnung auf Windstille: Es blieb beim Hoffen.

Ich finde ja, dass diese Szene ein wenig wie ein Krippenspiel aussieht.

Ja, und das waren sie eigentlich auch „schon“, die großen Erlebnisse der Tour. Wir paddelten einen Fluss hinauf, folgten anschließend per pedes dem Giant Kingfisher Trail um dann unterm Wasserfall zu duschen. Es war schließlich auch wieder Weihnachten, da ist das bei mir ja immer fällig…

Dusche

Ansonsten haben wir uns die Zeit damit vertrieben, steinharte Volleybälle auf unsere Arme zu zimmern, Austern frisch vom Felsen zu schlemmen oder einfach nur dazuliegen. Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen übrigens, zumal wenn noch was zu lesen in der Nähe ist. An einem Tag wäre ich dann fast für hunderttausend Jahre inhaftiert worden, weil eine sehr aufmerksame Baywatch-Aktivistin es mir nicht vergönnte, bis zum Bauchnabel ins Wasser zu gehen. Schließlich sollte man da nicht schwimmen. Ein paar andere Leute hat sie allerdings auch gelassen, weshalb ich diese Regel nicht so ganz einsah und mit ihr einen „Auf-eigene-Gefahr“-Deal ausmachte. Ihr noch aufmerksamerer Baywatch-Aktivisten-Kollege wusste das aber nicht und kam dann gleich mit der Polizistin an, aber ich kann ja ganz gut diskutieren. Strandvergnügen geht dann doch anders. Hatten wir aber auch reichlich.

Schön war auch, dass Kapstadt uns reichlich Sonne gönnte, obwohl der Wetterbericht von Gewitterstürmen fabulierte. Das gute Wetter nutzten wir zum Picknick auf dem Tafelberg und zum Sonnenbad am Strand von Clifton. Da der gefürchtete Agulhas-Strom, der die südafrikanische Westküste mit Wasser direkt von der Antarktis versorgt, sich allerdings entweder warmherzig zeigte oder von der Klimaerwärmung längst aufgefressen, umgelenkt oder ausgetrunken war, konnte ich auch noch ausgiebig baden. Blöd war nur, dass ich meiner Schwester den Unterschied zwischen False Bay (Ostseite der Kaphalbhinsel) und West Coast (Westseite, hahaha) zeigen und anhand ihres Gesichtsausdrucks fotografisch festhalten wollte, während sie im Wasser steht. Nunja, hier das Foto von der kalten Seite…

Kalt? Nö.

Nach einer mehr oder weniger intensiven Silvesternacht, brachte ein großer Vogel meine Schwester zurück in die Eiszeit, meine Rolle als Reiseführer war vorbei und das Programm begrenzte sich zusehends auf Rumliegen, Schwimmen und Feiern.

Weggetanzt...

Am Ende habe ich es natürlich nicht geschafft, alle Leute zu treffen, die ich eigentlich sehen wollte, dafür aber einige auch zufällig mitten in Kapstadt, was dann auch immer sehr lustig ist. Ende Januar geht’s ja wieder in die Mother City, dann geht`s vielleicht endlich mit meinem alten Dozenten mal wieder auf Hummerfang oder mit alten und neuen Freunden und Studienkollegen in die Bar. Und wenn nicht nächstes Mal, dann das danach. Es gibt nämlich meiner Schätzung nach kaum Menschen, die einmal in Kapstadt waren und danach nie wieder kamen. Ich gehöre auf jeden Fall nicht dazu. Wer einmal abends, kurz nach Einbruch der Dunkelheit von Osten kommend über den Sir Lowry Pass auf die Metropole geblickt hat, wer einmal eine Nacht lang in der Long Street abgestürzt ist oder wer sich den majestätischen Blick vom Tafelberg mit den eigenen Beinen erarbeitet hat, der weiß warum. Auf bald!



Zum Ende nur noch der Fotobeweis: Die Stadionbauarbeiten in Kapstadt haben tatsächlich bereits begonnen...