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Samstag, 13. März 2010

Lesestoff in English

Ich reise grad auf Recherche-Tour durch Südafrika und stoße dabei an einige extreme Enden dieser Gesellschaft. Das reicht von Meetings von Minen-Arbeitern, die der internationale Konzern, der sie beschäftigt hatte, entlassen hat um für die Kosten ihrer durch die Arbeit aufgetretenen Amalgan-Vergiftungen nicht aufkommen zu müssen, bis in die dauerbespaßte Party-Metropole Johannesburg und vom Fußball-Fachsimpeln mit Grenzbeamten in Lesotho bis zur dreisten Schmiergelderpressung ohne tatsächliches Vergehen durch Polizisten in Johannesburg. Viel Zeit zum Bloggen bleibt da nicht, doch ich werde einiges in Artikeln verarbeiten und bestimmt auch noch ein paar Geschichten hier preisgeben.
Vorerst kann ich als Lesestoff aber nur meinen Artikel in der African Times anbieten, der sich mit "weißen" Fußballern in Walmer Township befasst. Zu lesen ist die Reportage hier, allerdings auf Englisch.

Dienstag, 19. Januar 2010

Busride diaries

Lange schon hat es auf dieser Plattform keine abgedroschenen Phrasen mehr gegeben, daher gehe ich jetzt gleich mal in die Vollen: Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben. Pling, da freut sich das Schweinchen. Meine Freude über das Erlebte kam allerdings erst nach dem Überstehen und Überleben dezent auf.

Per Bus begab ich mich am Sonntagnachmittag von East London zurück nach Port Elizabeth, mitten durch das bezaubernde Eastern Cape, in dem sich normale Verkehrsteilnehmer die Straßen mit Hunden, Ziegen, Schafen, Kühen und Minitaxifahrern teilen. Alle fünf sind mitunter ähnlich unberechenbar. Als kleines Schmankerl hat meine Heimatprovinz neulich auch noch die Statistik Alkoholdelikte im Straßenverkehr im landesweiten Vergleich mit beeindruckendem Abstand gewonnen. Obwohl wir keineswegs die bevölkerungsreichste Provinz sind, stellen wir die Hälfte aller betrunkenen Autofahrer in den insgesamt neun Provinzen. Wenn das kein Setting ist.

Ich entschied mich gegen die allergünstigste Busgesellschaft, weil die in jüngster Zeit durch einen regional begrenzten Lizenzentzug, einen Fahrer, der mit fünf Promille erwischt wurde, und einen weiteren Bleifuß, der bereits sagenhafte 29 mal geblitzt wurde, aufgefallen war. Also fiel die Wahl auf City to City, meine bereits auf der Strecke Port Elizabeth-Kapstadt liebgewonnene ehemalige Minenarbeiter-Buslinie. Die sind nämlich die nächst billigen gewesen. Knapp zehn Euro für 300 Kilometer Strecke, da kann man nicht jammern. Und auch nichts anderes als einen MAN-Bus aus den Siebzigern, eine defekte Klimaanlage bei 35 Grad und Vollbesetzung sowie eine dezente Verspätung erwarten.

Gut eine halbe Stunde nach der geplanten Abfahrtszeit, die ich mir mit einem geschmacklich „interessanten“, mit Litschi aromatisierten, kalten Fläschchen Wasser vertrieb, trudelte das antike Gefährt am Bahnhof East Londons ein. Ich hatte mich in grenzenloser Naivität übrigens zunächst am schicken Busbahnhof dieses größten Dorfes des Eastern Capes absetzen lassen, wo mir der gleiche Mensch, der mir dort drei Tage zuvor kommentarlos mein Ticket ausgestellt hatte, auf Nachfrage erklärte, dass der Bus in zwanzig Minuten gut drei Kilometer entfernt in der Innenstadt abfahren würde. Ein wildes Armfuchteln, zehn Minuten im lautesten Minibustaxi der Welt und einen kurzen Sprint über 300 Meter später war ich fünf Minuten vor planmäßiger Abfahrt dann am richtigen Platz. Ein Glück, dass ich mich so beeilt hatte, sonst hätte ich vielleicht nur 20 Minuten an meiner Wasserflasche nuckeln können.

Weitere 20 Minuten gingen dann dafür drauf, dass der Busfahrer versuchte mit einer anscheinend völlig unsortierten Namensliste zu überprüfen, ob auch niemand sein kostbares Ticket gefälscht hatte. Danach zottelte er los, bergauf übrigens gern auch mal im dritten Gang, alte Busse scheucht man schließlich nicht. Nach gut fünf Stunden schwitzen, schaukeln und Kindergeschrei erreichten wir schließlich Port Elizabeth, wo der gute Mann die passende Abfahrt dann einmal in Schwung geraten sogleich links liegen ließ (im Linksverkehr hat diese Floskel sogar einen Sinn). Über meinem Kopf stiegen Fragezeichen auf, die bald in Angstschweiß gedünstet werden sollten, als der Fahrer auf der Sperrlinie der nächsten Ausfahrt zu einem spontanen Halt ansetzte. Da standen wir nun zwischen dreispuriger Autobahn und Abfahrt und keiner wusste warum. Der Fahrer griff zum Handy und plötzlich bewegte sich im Heck des Busses eine Luke. Eine Art Geheimtür öffnete sich und nur in Shorts bekleidet kam ein zweiter Busfahrer zum Vorschein, der sich nun – wir parkten noch immer auf der Autobahn – erst einmal mit einem Hemd bekleidete und dann zum Fahrer schritt. Im Stile Winnetous ließ er, die Hand demonstrativ über den Augen, seinen Blick über Port Elizabeth schweifen. „Wo bin ich?“, stand in Versalien auf seiner Stirn. Ich hätte es ihm ja sagen können, aber ich fand es irgendwie unpassend, ich war ja schließlich Passagier und die sind bei City to City nicht Kunden im Sinne von Königen sondern eher geduldete Bittsteller.

Mit einem kleinen Schlenker durch den wunderschönen Industriestadtteil Korsten schaffte der Mann aus dem Hintergrund, wie ich ihn hier nennen möchte, es dann schließlich, den Bus wieder auf den richtigen Kurs zu bringen und mit einer guten Stunde Verspätung die Haltestelle in Port Elizabeth anzusteuern. Nächste Woche kaufe ich mir ein Auto.

Donnerstag, 12. März 2009

Filmstars mit Singstar



Das Titelbild hat diesmal keine erweiterte Bedeutung. Es ist einfach nur filmreif. Genau wie die letzten Wochen. Von denen war das aber auch erwartet worden. Schließlich filmten wir.

Also, gutes Foto, schlechte Kalauer, alles beim alten und damit in den neuesten Reisebericht.

Das sonnige Bild ist übrigens irgendwo auf dem Weg zwischen Kimberley und Kapstadt entstanden. Die Verkehrsdichte in der Karoo-Halbwüste ist da nicht immer so hoch, wenn mal was kommt, dann aber auch gern zwei LKW auf einmal. Man hat ja noch den Standstreifen zum Ausweichen – angenehmes Reisen… Dass ich diese Gegend überhaupt schon wieder zu Gesicht bekam, verdanke ich dem Videojournalisten Michael Wigge, der nach Südafrika gekommen ist, um eine Doku über Land, Leute und Kontraste zu drehen.

Der höchste Hügel in Walmer Township: Einst Truppenübungsplatz, heute media mountain.

Das Werk soll deutschen Schülern der Klassenstufen sieben und acht bald im Geografieunterricht als Lehrfilm dienen. Und damit die Kinners das auch aus einer adäquaten Perspektive vermittelt bekommen, dienten Masifundes dreizehnjähriges Patenkind Sarah und ihre beste Freundin Farah als Hauptdarsteller. Die Freundin kommt aus einer (übrigens ziemlich coolen und Seafood-erprobten) Mittelstandsfamilie und Sarah aus dem Township. Gebe es nicht Masifunde und die Bildungspatenschaften hätten sie sich vermutlich nie getroffen. Nun spielen sie im Film zusammen Singstar und erfreuen sich noch tausend anderer Sachen. Die Kontakte zu den Kids und der Schule, sowie den „Sicherheitsdienst“ im Township und ein paar andere Kleinigkeiten hatte ich für Michael organisiert, sodass ich mich endlich mal wie ein echter Pressebetreuer fühlen durfte. Coooool. Dazu gibt’s noch zwei immens wichtige Experten-Kommentare meinerseits auf dem Tape, sodass neben Masifunde auch ich künftig berühmt sein dürfte… Naja, ich wäre schon sehr zufrieden damit, solch einen Job noch öfter machen zu können. Hat nämlich echt Spaß gemacht.

Sarah beim Dreh Zuhause.

Die Dreharbeiten waren recht umfangreich, erstmal ging’s in die Schule, dann ins Township, zu beiden Eltern und dann noch an tausend Orte, um den Info-Teil für Südafrika zu bebildern. Wilde Tiere, tiefe Minen und weite Flächen mussten her, dazu ein paar Museen und Denkmäler für den Geschichtsteil.

Zwischendrin spielte sich kurz vor Ende unserer Drehzeit in Port Elizabeth noch eine denkwürdige Szene ab. Michael und ich suchten in der Dresden Bakery, der deutschen Bäckerei von Port Elizabeth, die übrigens von einer ehemals Hamburger Familie geführt wird, nach einem zweiten Frühstück. Der Kuchen war lecker, der Cappuccino auch, doch das allein wäre kaum berichtenswert. Als Michael bezahlen wollte, fasste sich die Bäckersfrau ein Herz und fragte ihn in bestem Hamburger Schnack: "Sagen sie mal, sind Sie nicht der Michael Wigge vom Deutsche Welle Fernsehen?" Da er es war und das auch zugab, lud sie uns nach kurzem Klönschnack ein, mit ihrem Sohn an einem mysteriösen Jeep-Wettbewerb teilzunehmen. Wir schlugen ein, befürchteten jedoch ein waghalsiges Rennen durch wildes Terrain. Aber weit gefehlt, Sohn David entpuppte sich als sehr relaxter, aber dennoch zielstrebiger Genosse und Ziel des Wettbewerbs war es in ruhigem Tempo möglichst kuriose Aufgaben am Rande der Strecke zu bewältigen. So suchten wir nach Schlossfabrikaten an Flußwehren, mussten Bilder mit einem Naturreservat-Tor-Wächter machen, nach Warnschildern suchen und zum Höhepunkt unter dem Druck der Stoppuhr in den nächtlichen Busch rennen, ein Bild mit einem komischen verrosteten Metall-Teil machen, zurückkehren, ein Rad vom Jeep schrauben, einmal um den Wagen tragen, wieder befestigen und einsteigen. 12:40 Minuten. Durchschnitt. Egal, das Bier hat geschmeckt, die Landschaft war hervorragend und ein paar Büffel haben uns auch noch kurz gute Nacht gesagt. Toll!

Unsere Jeep-Crew: David (links) und sein Co-Pilot Keith.

Dieses formschöne Bild ist ebenfalls ein Relikt dieser herausfordernden Tour...

Nach einer Woche in Port Elizabeth haben wir uns dann aber auf den Weg gemacht, um die fehlenden Doku-Aufnahmen im Lande einzuholen. Das heißt dann natürlich, dass das Verhältnis zwischen reisen und filmen etwas kurios wird, wenn man ewig weit fährt, um kurz eine Wüste zu filmen, aber ohne Mühen kein schicker Film. Und als Nebenprodukt konnte ich immerhin noch ein paar Fotos mit nach Hause nehmen. Ich bin daher mal schreibfaul, nutze das gute Internet in Kapstadt und beeindrucke nicht buchstäblich aber bildlich.

Hier versucht sich ein Nashorn im Kragga Kamma Game Park zu verstecken. Das ist allerdings recht schwer, weil der kleine Wildpark eher einer Farm für wilde Tiere ähnelt, viel freie Fläche, perfekt zum filmen, etwas doof für die Tiere, wenn sie mal unter sich sein wollen. Aber vielleicht wollen sie ja gar nicht. Die Menschen schießen hier ja nur digital.

Auch die Büffel offenbaren sich an gleicher Stelle. Dieses Foto taugt übrigens dazu, meine Theorie zu belegen, dass Büffel nur große Kühe sind.

Und hier noch ein paar große Pferde mit Flecken.

Das ist alles, was Südafrika als Ehre für den Freiheitskämpfer Steve Biko an der Stelle übrig hat, an der Apartheids-Polizisten ihn so schwer folterten, dass er an den Verletzungen später bei der Überführung auf der blanken Ladefläche eines Kastenwagens 30-jährig starb. Der Zellentrakt wird noch immer für Häftlinge benutzt.

Das weltberühmte Big Hole, leider auch schon die Hauptattraktion der Diamantenhauptstadt Kimberley. Die Entstehung ist landestypisch: Ein Diamantenbaron ließ es von mit Hungerlöhnen abgespeisten Arbeitern auf der Hatz nach Glitzersteinen graben, strich den Reichtum und den Ruhm ein und ließ die Arbeiter fein arm.

Michael beim Filmen einer total echten Diamantenmine.

"Scotland is poorer in men but richer in heroes", teilt uns dieses Denkmal für die Schotten, die 1899 während des Zweiten Burenkrieges in der Schlacht von Magersfontein fielen, mit. Na denn.

Diese Schildkröte bewohnt die kargen Weiten der Karoo. Nun wissen wir auch, warum dort so wenig Gras wächst.

So sieht die Karoo aus - betrachtet aus dem Fenster meines Schlafzimmers im Karoo National Park. Sie sieht aber eigentlich überall so aus.

Achso, ich hab jetzt übrigens auch ne Katze.

Der Abendhimmel über meinem Lieblings-Schnorkelstrand in Port Elizabeth. Gute Nacht!

Sonntag, 18. Januar 2009

The Cape still in shape



Oh wie war das schön, endlich wieder zurück im Western Cape zu sein. Von Weihnachten bis Anfang Januar zog es mich zum Weihnachtsurlaub zurück an altbekannte Orte entlang der Garden Route und natürlich in die schönste Stadt der Welt – Kapstadt. Bis Neujahr hatte ich dabei reizende Begleitung von meiner Schwester, der es zwischen Kanufahren, Wasserfallbaden, Strandgammeln, Paragliden, Grillen, Grillen, Grillen, Tafelberg Wandern, Pinguine Besuchen und Silvester im Großstadtdschungel auch eher selten langweilig wurde.


Weiße Weihnacht im Tsitsikama National Park

Nur Fliegen ist schöner.

Fliegen

Mein Boot. Haus und Auto sind im Wald versteckt.

Kap der Hoffnung auf Windstille: Es blieb beim Hoffen.

Ich finde ja, dass diese Szene ein wenig wie ein Krippenspiel aussieht.

Ja, und das waren sie eigentlich auch „schon“, die großen Erlebnisse der Tour. Wir paddelten einen Fluss hinauf, folgten anschließend per pedes dem Giant Kingfisher Trail um dann unterm Wasserfall zu duschen. Es war schließlich auch wieder Weihnachten, da ist das bei mir ja immer fällig…

Dusche

Ansonsten haben wir uns die Zeit damit vertrieben, steinharte Volleybälle auf unsere Arme zu zimmern, Austern frisch vom Felsen zu schlemmen oder einfach nur dazuliegen. Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen übrigens, zumal wenn noch was zu lesen in der Nähe ist. An einem Tag wäre ich dann fast für hunderttausend Jahre inhaftiert worden, weil eine sehr aufmerksame Baywatch-Aktivistin es mir nicht vergönnte, bis zum Bauchnabel ins Wasser zu gehen. Schließlich sollte man da nicht schwimmen. Ein paar andere Leute hat sie allerdings auch gelassen, weshalb ich diese Regel nicht so ganz einsah und mit ihr einen „Auf-eigene-Gefahr“-Deal ausmachte. Ihr noch aufmerksamerer Baywatch-Aktivisten-Kollege wusste das aber nicht und kam dann gleich mit der Polizistin an, aber ich kann ja ganz gut diskutieren. Strandvergnügen geht dann doch anders. Hatten wir aber auch reichlich.

Schön war auch, dass Kapstadt uns reichlich Sonne gönnte, obwohl der Wetterbericht von Gewitterstürmen fabulierte. Das gute Wetter nutzten wir zum Picknick auf dem Tafelberg und zum Sonnenbad am Strand von Clifton. Da der gefürchtete Agulhas-Strom, der die südafrikanische Westküste mit Wasser direkt von der Antarktis versorgt, sich allerdings entweder warmherzig zeigte oder von der Klimaerwärmung längst aufgefressen, umgelenkt oder ausgetrunken war, konnte ich auch noch ausgiebig baden. Blöd war nur, dass ich meiner Schwester den Unterschied zwischen False Bay (Ostseite der Kaphalbhinsel) und West Coast (Westseite, hahaha) zeigen und anhand ihres Gesichtsausdrucks fotografisch festhalten wollte, während sie im Wasser steht. Nunja, hier das Foto von der kalten Seite…

Kalt? Nö.

Nach einer mehr oder weniger intensiven Silvesternacht, brachte ein großer Vogel meine Schwester zurück in die Eiszeit, meine Rolle als Reiseführer war vorbei und das Programm begrenzte sich zusehends auf Rumliegen, Schwimmen und Feiern.

Weggetanzt...

Am Ende habe ich es natürlich nicht geschafft, alle Leute zu treffen, die ich eigentlich sehen wollte, dafür aber einige auch zufällig mitten in Kapstadt, was dann auch immer sehr lustig ist. Ende Januar geht’s ja wieder in die Mother City, dann geht`s vielleicht endlich mit meinem alten Dozenten mal wieder auf Hummerfang oder mit alten und neuen Freunden und Studienkollegen in die Bar. Und wenn nicht nächstes Mal, dann das danach. Es gibt nämlich meiner Schätzung nach kaum Menschen, die einmal in Kapstadt waren und danach nie wieder kamen. Ich gehöre auf jeden Fall nicht dazu. Wer einmal abends, kurz nach Einbruch der Dunkelheit von Osten kommend über den Sir Lowry Pass auf die Metropole geblickt hat, wer einmal eine Nacht lang in der Long Street abgestürzt ist oder wer sich den majestätischen Blick vom Tafelberg mit den eigenen Beinen erarbeitet hat, der weiß warum. Auf bald!



Zum Ende nur noch der Fotobeweis: Die Stadionbauarbeiten in Kapstadt haben tatsächlich bereits begonnen...

Dienstag, 13. Januar 2009

Jeden Tag ein neues Transportmittel



Lange habe ich ihn verschoben, doch hier folgt er nun, der dritte Teil meiner Reiseerzählungen aus – von mir aus gesehen – fernen, nördlichen Gefilden.

Zunächst kurz zurück nach Maputo. Der letzte Abend war kein leichter. Es galt Owen, meinen Londoner Freund, gebührend zu verabschieden, was auch recht gut klappte, da Owen seine verschollen geglaubte Flasche „Famous Goose“-Wiskey doch noch wieder fand – in seiner Waschtasche. Es wurde ein äußerst interessanter Abend mit einer sauberen Prise schmutzigen, schwarzen Humors. Allein für die Wortspiele werde ich irgendwann nach England ziehen… Im Verlauf des Abends investierte ich dann meine verbliebenen Meticais an der Backpacker-Bar, was zunächst zu Wohlbefinden führte, sich am nächsten Tag allerdings in doppelter Hinsicht rächen sollte. Denn zum einen verzögerte sich die für die Morgendämmerung geplante Abreise so sehr, dass ich gerade noch die Check-Out-Zeit um 10 Uhr einhalten konnte und zum anderen war mir entfallen, dass die Straße zurück zur Grenze Maut pflichtig ist. Man darf allerdings auch in Rand bezahlen, dann aber – wie immer, wenn man südafrikanisch wirkt – auch gerne etwas mehr. Erschwerend kam hinzu, dass ich meine Devisen tief im Kofferraum vergraben hatte, was die Fahrzeugführer hinter mir nicht ausschließlich mit Applaus honorierten. Am Ende konnte ich die Grenze aber zu meinem großen Erstaunen innerhalb von fünf Minuten ohne jegliche Zusatzzahlung passieren. Zweieinhalb Stunden und ein Mittagessen-Frühstück vorm Supermarkt später war ich dann auch schon mitten in den für diesen Tag anvisierten Drakensbergen.



Die höchste Bergkette Südafrikas, die im Winter sogar Skisport-Gebiet ist, hieß mich mit herrlichen Panoramablicken willkommen und so entschied ich mich nachmittags spontan zu einer kleinen Wanderung ins Ungewisse. Zu diesem Zwecke verfolgte ich einen Abzweig von der Hauptstraße, der mich über 16 Kilometer Schotterpiste zu einem Camping-Platz namens „In die Diepte“ führen sollte. Der Platz bestand aus gut gepflegten Rasenflächen, einem Plumpsklo und zwei Häusern, in denen aber niemand war. Also flux geparkt, wandertaugliches Schuhwerk an, Wasser eingepackt und auf ins Vergnügen. Schon nach kurzer Zeit erreichte ich ein kleines Bergdorf, an dessen Eingang mich gleich ein Mensch begrüßte, der gerade versucht war, mit einer Zwille Vögel zu erlegen. Die fliegende Speise durfte allerdings noch eine Weile durch die Lüfte schweben, denn der Kollege machte es sich zunächst zur Aufgabe mir sein Dorf und sein Haus zu zeigen. Reichtum sieht sicherlich anders aus, aber die Aussicht aus dem Örtchen ist definitiv majestätisch.



Unterwegs fand ich später noch ein paar Pilze, aß am Gebirgsbach mosambikanische Mangos, sah irgendein Reh ähnliches Lebewesen durch den Wald rennen und fühlte mich ein wenig wie im Harz, auch wenn der Wald anstatt Fichten aus Kiefern bestand.



Mit den Impressionen im Kopf und der Hoffnung, diese Gegend bald wieder besuchen zu können, fuhr ich zum schlafen zurück ins Örtchen Graskopp, da sich in dem Waldcamp per se kein Essen auftreiben ließ und mir eine einsame Nacht auf dem Zeltplatz dann doch etwas zu unvorsichtig erschien.

Am nächsten Morgen tingelte ich in der festen Überzeugung, erst am späten Nachmittag in Johannesburg sein zu müssen, noch ein paar touristische Highlights ab. Darunter war auch das berühmte Gods Window, eine auf Fotos recht beeindruckende Gebirgskante mit weitem Ausblick. An diesem Tag hatte sich der Gute aber allem Anschein nach ne deftige Pfeife angezündet, das Fenster war völlig vernebelt. Und auch die SMS, die mich am Fenster stehend erreichte, war wenig göttlich. Björn und Martin hingen in Tansania fest, weil – so die Gerüchte – eine Fluglinie in Konkurs gegangen war. Für mich gab es also auch keinen Grund mehr, in Johannesburg zu übernachten, jedoch musste ich den Wagen dort noch im Backpacker hinterlassen, bevor ich mich dann nach Kimberley, dem letzten Ziel meiner Reise aufmachen konnte. Die Abfahrtszeit des letzten Busses von Johannesburg nach Kimberley an diesem Tag und meine Entfernung von der Metropole sorgten dann im Zusammenspiel für eine neuerliche rasante Fahrt, die fast erfolgreich gewesen wäre, wenn ich mich nicht in dieser schönen Stadt, mit ihren schönen grauen Fassaden und ihrem beruhigend sicheren Stadtleben für gut anderthalb Stunden völlig verfranst hätte. Nach einer ausgiebigen Rundfahrt durch Hillbrow, landete ich viel zu spät im Backpacker, entschloss mich aber, abends noch wenigstens bis Bloemfontein per Bus weiter zu reisen.

Nach einer kurzen Nacht, die davon nicht länger wurde, dass der Backpacker-Boss erstmal aus der Kneipe anreisen musste und dazu ob seines Zustands einige Zeit brauchte, ging’s mit dem Minibus-Taxi nach Kimberley. Dort kam ich bei vier netten Damen namens Marieke, Elisa, Christina und Lisa (DIE Lisa) unter und sah mich in deren Projekt Thusong, einem Zuhause für Waisen- und Straßenkinder, um. Die Arbeit, die die Mädels da machen, ist echt aller Ehren wert und war für mich so spannend, dass ich es ganz verpasste mir Kimberleys Attraktion schlechthin anzusehen: Ein großes Loch, das entstand, als ein reicher Mensch arme Menschen für ihn nach Diamanten graben ließ. Aus den Unterfangen des reichen Menschen ist heute der Konzern DeBeers geworden, der Kimberley noch immer fest in der Hand hat. Wieviel Reichtum die grabende Belegschaft davon trug, lasse ich mal als Quizfrage offen.


Wenigstens das zweitgrößte Loch der Stadt konnte ich noch sehen. Es droht in absehbarer Zeit Teile von Thusong zu verschlingen.


Vorher wird aber noch die ein oder andere Partie Dame gezockt - auf alten Schranktüren und mit Kieseln und Kernen als Spielsteinen.

Nach drei Tagen Kimberley stand für mich dann die Rückreise wieder via Bloemfontein an, wobei sich mir auch noch eine offene Frage stellte. Wird das Stadion-Hotel des WM-Spielorts Bloemfontein wohl bis 2010 noch aufgehübscht, oder würde das die Atmosphäre zerstören?
Reisen müssen auch Fragen aufwerfen, sonst waren sie umsonst. Am nächsten Morgen wachte ich an der Bushaltestelle in Port Elizabeth auf. Die Tour war zuende.

Mittwoch, 7. Januar 2009

„Mlungu back from the mountain“



An jedem zweiten Laternenpfosten im Township hängt alltäglich eine Schlagzeile der „Sun“, die so Leser für ihre heißen Storys gewinnen will. Das auch hierzulande für seine hohe Qualität und Tiefgründigkeit bekannte Blatt hatte wohl Wind von meinem Tafelbergbesuch bekommen und wartete daher heute mit obigem Top-Thema auf („Weißer zurück vom Berg“).

Es tut mir Leid, dass ihr, verehrte Leserschaft, es so erfahren musstet. Die Konkurrenz schläft eben nicht. Für mich kann das nur bedeuten: Es wird höchste Zeit wieder zu berichten. Und das werde ich in den folgenden Tagen und Wochen tun. Versprochen! Oder angedroht, ganz wie ihr mögt...

Die längere Ruhepause hier hatte schließlich viele Gründe, die einer Erwähnung wert sind.

Zunächst war da natürlich das Summer Camp, das ja wenigstens per Umleitung noch halbwegs mitzuverfolgen war. Phantastisch war’s und etliche von euch haben mitgeholfen, den Fortbestand dieser Camps zu finanzieren, wie ich neulich erfuhr. Ein ganz großes Dankeschön dafür!!!

Danach musste ganz fix die Arbeit weg, die während des Camps liegen geblieben war und dann ging es auch schon mit schwesterlicher Unterstützung auf den Weg nach Kapstadt. Von dort düste ich Sonntag wieder hier ein, musste vielen Menschen erklären, wo ich so lange war, habe inzwischen die erste Fußball-Trainingseinheit nach der Sommerpause in den Knochen und mächtig Laune auf einen Batzen Kuriositäten, die noch erzählt werden müssen.

Ich fuhr mit so ziemlich allen Verkehrsmitteln, die das Land hergibt, kam dem gigantischen König Fischer auf die Spur und untersuchte die Erwärmung der Weltmeere, die inzwischen so weit fortgeschritten ist, dass man an Kapstadts Frostständen bequem schwimmen kann.

Aus vielen Wassertropfen können Wasserfälle werden.

Sonne und Meer, nicht lange her.

Alles Sachen, die die „Sun“ nicht weiß. Also auf einen selzsamen und frohen Start in 2009!

PS: Falls irgendwer Befürchtungen in sich trug, ich Vorzeigechrist könnte beim Verbringen des Weihnachtsfestes in fernen Gefilden arg beklemmende Gefühle bekommen: Nein, ich war nicht allein, nein es gab Geschenke und außerdem: Ich habe mir mein Stück Heimat schon lange im Voraus einfach gekauft. Die GUTE Heimat…

Christstollen gab's übrigens auch.

Donnerstag, 4. Dezember 2008

Jeden Tag eine neue Kontrolle



Kennt von euch, verehrte Leserschaft, jemand Arusha? Ich bin mir ziemlich sicher, dass Björn und Martin diese Stadt am Fuße des Kilimandscharo bis zu jenem Freitag unserer Reise auch nicht kannten. Das sollte sich aber recht bald ändern, denn die beiden wurden von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), bei der sie ihre Diplomarbeit schreiben, genau dorthin beordert. Damit endete unsere gemeinsame Reise am Sonntagmorgen in Maputo. Doch dahin mussten wir ja erstmal kommen.

Die erste Hürde, die es auf dem Weg zu nehmen galt, war die rechtzeitige Organisation eines neuen Reifens. Mir hatte nämlich im Krüger Park ein Monsterkrokodil in den Schlappen hinten links gebissen, sodass der Luftdruck im Reifen sich fortan mit dem der Außenluft veränderte. Die Aktion hatte übrigens auch was Abenteuerliches, da ich zu dem Zeitpunkt, als ich den Platten bemerkte, noch zehn Kilometer vom nächsten Camp entfernt war. Da mal eben aussteigen und ein bisschen mit Wagenheber und Ersatzrad basteln aufgrund des üppigen Wildbestands im Park nicht die allerbeste Idee ist, musste ich wohl oder übel auf der Felge weiterfahren, was die Optik der Gummierung doch ziemlich in Mitleidenschaft zog. Ich musste jedenfalls erstmal massiv Erdreich herausschütteln, ehe ich das ramponierte Stück im Kofferraum verstauen konnte.

Das Problem an der Sache: Weil der Autovermieter in Mosambik keine Filialen hat, mussten wir den neuen Reifen noch in Südafrika holen – an einem Freitagnachmittag. Auf dem Programm stand also mal wieder eine saubere Telefonaktion und anschließend eine Höllenfahrt, um das Runde kurz nach 19 Uhr doch noch ans Eckige montieren lassen zu können. Im Schweinsgalopp ging es dann weiter zur Grenze, weil wir Scherzkekse in dem Glauben waren, dass diese um 21 Uhr dicht mache. Um 21.07 Uhr stellten wir fest, dass dem nicht so ist. Die Steine, die uns vom Herz fielen, mussten wir aber sogleich zu Schotter zerstampfen, um damit allerhand Versicherungen für das bereits versicherte Auto, Beschleunigungsgebühren, Schleuserhonorare und Visumsstempelbenutzungspauschalen zu begleichen.

Monetär erleichtert passierten wir gegen 22.30 Uhr die Grenze und atmeten fortan mosambikanische Luft. In der Folge schrammten wir dann mehrfach knapp daran vorbei, diese Luft gesiebt zu atmen, weil uns mehrere Polizei-Bedienstete für so schwerwiegende Verbrechen wie „Verdeckte Einbahnstraße in ruhigem, verlassenen Viertel gegen 0 Uhr für 50 Meter versehentlich in falscher Richtung befahren“, „Pass im Hotel liegen lassen“ oder „27. Formblatt zur temporären Einfuhr von Personenkraftwagen nicht mitgeführt“ einen Aufenthalt in ihren heiligen Hallen offerierten. Wir schlugen nicht ein, mussten aber zumindest für die Einbahnstraße doch noch mal die Schatulle öffnen. Die meisten mosambikanischen Polizisten sind aber große Umweltschützer und honorieren es mit frappierenden Rabatten, wenn man – ganz Baumfreund – auf papierne Quittungen verzichtet. Scheine nimmt die Mehrzahl aber gern entgegen, weshalb die Jungs eine sehr engagierte Arbeitsweise an den Tag legen und im Rahmen von Kampagnen „zur Stärkung der Verkehrssicherheit“ auch gerne die Rostlauben fahren lassen und dafür den gepflegten Mietwagen auf Funktion von Handbremse und Warnblinkanlage überprüfen. Insgesamt waren in den ersten 24 Stunden Mosambik neun Polizeikontrollen um unser Wohl besorgt, sieben davon auch ausgesprochen direkt um ihr eigenes finanzielles.

Ein Londoner, den ich später im Backpacker traf, hatte sogar das Vergnügen, dass er – bei mangelnder Zahlungsbereitschaft – dafür aufs Revier verschleppt werden sollte, dass er beim Erstellen eines Gebäude-Fotos irgendwo zwischen zwei Sonnenschirmen im äußersten Bildwinkel ein kleines Stück Polizeihemd fotografiert hat. Ein schweres Vergehen, wie sich versteht. Er konnte die netten Herren dann aber damit verblüffen, dass er sich von ihrem Vorschlag völlig positiv überrascht zeigte und ihnen mitteilte, dass er schon immer mal eine mosambikanische Polizeibehörde von innen sehen wollte. Daraufhin ließen sie von ihm ab. Ich habe da natürlich große Scheu, weswegen ich nur Bäume und niemals Verkehrspolizisten auf Schmiergeldfang fotografiere.

"Hmm, kein Vergehen gefunden, aber hast du nicht vielleicht etwas Geld für einen Drink für mich?" - "Ähm, warte, ähm: NEIN!" - "Aber das kannst du doch nicht machen, wir wollen doch auch morgen noch Freunde sein, oder?" (Original-Dialog zwischen mir und einem "Ordnungshüter")

Bei all den Beschreibungen des Polizeiterrors soll die positive Seite Mosambiks aber auch nicht völlig untergehen. Die fünf Tage, die ich insgesamt im Land war, hatten da nämlich auch einiges zu bieten. So reisten wir mit einer gewagt überladenen Auto-, Traktor- und Wohnmobilfähre auf eine Lagunenhalbinsel, die uns nach einem kilometerlangen Auto-Cross-Ritt durch eine mit „Huckelpiste“ noch beschönigend beschriebene Hügel- und Schlammtrasse mit einem relativ einsamen, Sandstrand am indischen Ozean belohnte. Hauptaktivitäten an diesem Ort ohne Uhr: Sonnen, Wellen anspringen und Krabben erschrecken. Ein Fischer meinte jedoch, dass man die nicht essen kann. Diese Aussage hat vermutlich einige Leben gerettet.

Schnell die Füße paniert und dann rein ins Strandvergnügen

Jetzt ein Zelt und ein Lagerfeuer...

Meerestiere gab es dann trotzdem zum Abendessen. Zum vorläufigen Abschluss der gemeinsamen Tour besuchten wir den Fischmarkt, der immer noch ein Hingucker inzwischen allerdings aber auch sehr touristisch geworden ist. Nachdem Garnelen, Muscheln und Fische in unseren Mägen eine neue Heimat gefunden hatten, haben Björn und ich noch das Nachtleben Maputos wissenschaftlich untersucht. Wir kamen zu einem positiven Ergebnis und regen weitere, fortführende Forschungsprojekte an.

Die Jungs gingen am nächsten Morgen in die Luft, ich ins Backpacker. Ich zeltete unter einem Mangobaum auf dem Flachdach eines der Backpacker-Gebäude mitten im Herzen Maputos und ging tags darauf mit dem Londoner und einem Afrikaaner, der unter anderem eine Nussfarm in Nord-Mosambik bewirtschaftet und uns somit einiges über die Bewirtschaftung von Macadamia-Plantagen erzählen konnte, auf eine Rundreise durch die wirklich ausgesprochen ländliche Region südlich von Maputo und bestaunte Hüttendörfer und endlose Buschlandschaften. Dabei kamen wir auch in einen kleinen Ort mitten im nichts, den irgendein großer Planer vor langer Zeit mal als perfekte Kopie eines typischen deutschen Seebads angelegt hat. Zwischen all den halb verfallenen Häusern fanden wir dann sogar noch eine topmoderne Lodge, wo wir gut und günstig speisten. Auffallend war in diesem schönen Örtchen auch der hochgradig künstlerische Umgang mit dem Thema HIV/Aids. Aber bitte nicht nachmachen, liebe Kinder!

Schon blöd, wenn man sich jeden Morgen an Mangos den Kopf stößt...

Ein Platz wäre noch frei...

Nach Französisch und Italienisch heute: Mosambikanisch!

Abschließend spazierte ich zum letzen Tag kreuz und quer durch die zumeist nach guten und bösen sozialistischen Politikern benannten und immer wieder mit Obst- und Gemüseständen flankierten Straßen der Hauptstadt, wobei ich im Rücken des Freiheitskämpfers und Ex-Präsidenten Samora Machel, der an der für afrikanische Politiker nicht unbedingt ungewöhnlichen Todesursache Flugzeugabsturz verstarb, einen mir bisher unbekannten Park entdeckte. Dieses Biotop inmitten des Großstadtdschungels war wohl einmal ein botanischer Garten, inzwischen haben aber die Pflanzen selbst die Gestaltung übernommen. Im Sonnenlicht des späten Nachmittags hat das schon was, in dem Moment wäre ich gern einfach geblieben.

Da ist der Einkauf im Vorübergehen erledigt.


Allee-Bäume einmal anders.

Verweile doch!

Das ging aber nicht, denn am nächsten Morgen stand die Rückreise an, um ausnahmsweise mal ohne Stress und Zeitnot zu fahren und tags darauf in Johannesburg ein Wiedersehen mit meinen Reisekollegen zu feiern. Ich denke, ich nehme nicht zu viel Spannung aus der Geschichte, wenn ich schon einmal andeute, dass natürlich wieder alles anders lief. Doch dazu mehr im Schlussteil des Reiseberichts.

Mittwoch, 3. Dezember 2008

Jeden Tag ein neuer Plan



So gut wie die vergangene hatte ich wohl seit langem keine Reise geplant. Ich musste nicht einmal zum Flughafen hetzen, weil ich mit dem Rucksackpacken schon zehn Minuten vor Abfahrt fertig war – das entspricht bei mir ungefähr fünf Sekunden Vorsprung beim Hundertmeterlauf. Ich hatte Übernachtungen gebucht, Anfahrtsrouten ausgedruckt, ja selbst die Führung im Krüger Nationalpark war schon terminiert, lokalisiert und obendrein sogar bezahlt. Im Nachhinein weiß ich, was eine so detailgetreue Reiseplanung bringt: In Afrika nämlich gar nichts! Die Reise lief, sie lief gut, aber eben nie nach Plan. Doch der Reihe nach, in Kapiteln, fein bebildert und gegliedert:

Mein Rucksack war unter den Top Ten der Gepäckstücke, die am Oliver Tambo International Airport in Johannesburg auf dem Laufband ihren Herrchen und Frauchen entgegen fuhren. Nur Minuten später waren auch meine Reise-Kollegen Björn und Martin zur Stelle und ab ging die Post in einem City Golf (das ist eine Art Golf I mit neuem Motor, der hier immer noch gebaut wird), zu dessen Odoeur zu sagen ist, dass wir anfangs über den Erwerb eines Fisches nachdachten. Der hätte nach drei Tagen in der Sonne nämlich wenigstens eine kleine Chance gehabt, den widerlichen Gestank nach alten Socken in diesem Mietfahrzeug in den Hintergrund zu stellen. Doch keine Angst liebe Tierschützer, der Fisch schwimmt noch immer wie ein Revolutionär im Wasser, denn der Mensch gewöhnt sich ja auch so an alles. Die Ursache des Gestanks haben allerdings auch die wirklich eifrigen mosambikanischen Polizisten nicht ausfindig machen können. Wobei ich denen unterstelle, dem üblen Geruch auch gar nicht nachgegangen zu sein, schließlich stinkt Geld ja nicht. Doch dazu später mehr, vorerst zurück auf die Straße.

Mangels effektiven Kartenmaterials haben wir uns zunächst üppig in Pretoria verfranst, wo wir eigentlich gar nicht hingemusst hätten, somit aber Björn genügend Zeit in funknetzhaltiger Luft gegeben, um unseren Trip in den Krüger den veränderten Gegebenheiten anzupassen. Die Nacht in Johannesburg musste nämlich weichen, weil meine Reisebrüder ganz spontan eine internationale Wasserkonferenz in der Nähe des Krüger-Parks besuchen durften und ob der Wichtigkeit der dort anwesenden Wasserpolitiker auch wollten. Die beiden schreiben in dem Feld nämlich gerade in Gaborone, Botswana, ihre Diplomarbeit. Nach endlosen Telefonaten mit den verschiedensten, meist nicht zuständigen Menschen war gegen 16.30 Uhr klar: Wir fahren direkt in den Krüger. Das Blöde daran: Wir hatten nur noch viereinhalb Stunden Zeit bis Tor-Schluss um 21 Uhr. Nach einer primär vom Sicherheitsgedanken geprägten, aber doch zielstrebigen, ja wenn nicht gar sportlichen Tour durch Regen, Nebel, Stau und Dunkelheit, erreichten wir das Tor des Krüger Nationalparks im Stile eines guten Sprungpferdes um 20.59 Uhr.

Die Nacht war so knapp geplant wie die Reise und um 3.30 Uhr ging es hoch zur Morgenwanderung. In konstantem Nieselregen bewunderten wir gigantische Schnecken, Revier beschreibende Nashorn-Toiletten und sagenumwobene Giftpilze, ehe dem zu dieser Zeit noch aktiv teilnehmenden Ranger auffiel, dass er des Prasselns des Niesels wegen die längst herbei schleichenden Raubtiere womöglich zu spät hören könnte, weshalb er die Tour abbrechen musste. Jetzt allein aus der Tatsache, dass das Ranger-Duo erstmal telefonisch aus dem Schlaf geklingelt werden musste, um mit halbstündiger Verspätung überhaupt ins Abenteuer Wildnis zu starten und der ungewohnten Eigenart des zweiten Rangers, mit grimmiger Mimik immer mindestens 50 Meter vorweg zu stapfen, eine Verschwörung zu konstruieren, dass die Jungs einfach keinen Bock hatten, liegt mir natürlich völlig fern. Ich habe mir dann auf der Flucht aus der Regen-Hölle des Löwen noch ein paar Fragen zu Vögeln und Termiten erlaubt, sodass wir immerhin noch erfuhren, dass es Ameisen gibt, die fünfzig bis sechzig Meter tiefe Gänge graben, und dass nach Honig lechzende Vögel Menschen zu Bienenstöcken führen, allerdings nur solange, wie sie auch einen Teil der Beute bekommen, da sie ansonsten die Zweibeiner direkt in die Fänge einer Schwarzen Mamba treiben. Nun will ich auch hier die Kompetenz des Rangers nicht in Frage stellen, gebe aber zu bedenken, dass der Unterhaltungswert dieser Informationen über ihrem Wahrheitsgehalt liegen könnte. Größere Wildtiere sprangen uns dann nicht mehr unter die Augen, lediglich eine Gruppe Hyänen zeigte sich in der Ferne, suchte aber nicht uns sondern das Weite.


"...und dann schwebt der Vogel so zum Angriff heran, ehe ein riesiger Dämon, besessen vom Rausch der Pilze..."

Weite zu finden, ist im Krüger Park allerdings nicht schwer, wie uns bei unserer anschließenden Tour durch die endlose Buschlandschaft des Nationalparks mit der Fläche Belgiens auffiel. Etliche Tiere stellten sich dabei zum Portrait vor, hier die Gewinner des Castings:


Punkrock!


Tööööröööööh!


Wenn schon kein Leopard, dann wenigstens eine Leopardenschildkröte...


Hier tigert eine Löwin.


Beweglicher Stein mit Augen


Ich wollte schon immer wissen, was das Gegenteil von "Köpfe zusammenstecken" ist...

Einer der "Dead Five"


Gibt's auch in lebend.


Die Wasserböcke gucken nach Wasser.


Diese Kollegen wiederum gucken nach Wasserböcken, die kein Wasser gefunden haben...

Nachdem ich meine Konferenz-Teilnehmer abgeladen hatte, verblieb ich noch zwei Tage im Krüger, sah Löwen, hörte des Nachts vom Zelt aus Löwen beim Machen neuer Löwen und grillte Teile einer Kuh. Bei einem meiner Ausritte begegnete ich, auch ganz ohne irgendwie mit dem Honig-Vogel verhandelt zu haben, einer Schwarzen Mamba. Die schlaue Schlange schlängelte sich direkt vor meinem Käsefuß-Wagen auf die Straße und überlebte nur dank meiner schlagartig eingeleiteten Vollbremsung. Die Räder kamen dabei vor der Schlange zu stehen, nicht jedoch der Motorraum, der geschätzt über ihr war, was die Schlange zwar beruhigt haben dürfte, auf mich aber eher gegenteilig wirkte. Das Tier tauchte jedoch recht bald neben mir im Gras auf, was ich fair fand. So sind sie halt, die Schlangen.

Irgendwo unterwegs in einem Camp fiel mir dann auch noch eine Broschüre in die Hand, die den „Fünften Wildhund und dritten Geparden Foto-Wettbewerb“ anpries. Als Freund wilder Hunde und schneller Katzen griff ich natürlich zu und fand mich dann am letzten Morgen im Park tatsächlich inmitten von drei der letzten 350 Wildhunde des Parks wieder, die gerade an den Beinen einer Antilope herumkauten. Mit etwas Glück winkt mir jetzt also ein weiteres Wochenende in einer Edel-Lodge im Krüger Park. Ohne die Teilnahmebedingungen studiert zu haben, präsentiere ich Euch, verehrte Leserschaft, hier bereits eine Vorabveröffentlichung des mutmaßlichen Sieger-Fotos.


Schön lächeln, kleiner Wauwau!

Auf dem Weg zurück aus dem Park konnte auch ich dann noch einem afrikanischen Wasserkonflikt beiwohnen, der jedoch sehr diplomatisch beigelegt wurde. Beide Kontrahenten zeigten sich da wenig dünnhäutig, was ich von den zweibeinigen Wasserpolitikern nicht weiß, aber auch nicht annehme. Zu denen fuhr ich dann, um meine Freunde einzusammeln und die neuesten Reiseplan-Änderungen zu erfahren. Näheres dazu gibt es morgen, hier nun noch zur guten Nacht die Bebilderung des Streits ums edle Nass. Ich habe die Elefanten den Pinguinen vorgezogen, zumal ich die nicht um Erlaubnis fragen musste.