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Mittwoch, 14. Juli 2010

Paul ist tot, der Teufel siegt



Die erste von einem Tintenfisch verschobene Fußballweltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent ist vorüber. Der Verlauf lässt sich oberflächlich als vorhersehbar beschreiben. Die Fifa scheffelte Milliarden, Südafrika ist über beide Ohren verschuldet und weiß mit den tollen Stadien ab jetzt nichts mehr anzufangen und die große afrikanische Einigkeit entlud sich noch in der Nacht nach dem Finale in erste Übergriffe auf Flüchtlinge in Kapstadter Townships. Von ihren jeweiligen Leit- und Hetzmedien ausreichend sensibilisiert ließen sich aber keine europäischen Touristen von Macheten-Gangs zerhacken, auch die nationale Burenfront zog es vor, ihre Rand lieber in Klipdrift-Brandy als in den Bombenbau zu investieren und so kam es, dass bei einer Umfrage des Western Cape Tourismus-Ministeriums 66 Prozent der internationalen Gäste angaben, mit ihren Familien wiederkommen zu wollen. Na klar, der ein oder andere Tourist fährt ohne seine alte Digital-Kamera nach Hause und auch ein paar Journalisten erhielten die Gelegenheit rührende Stories darüber zu schreiben, wie ihnen das eigene Auto ausgeräumt wurde. Wer daraus einem Land mit jährlich zwölf Millionen Besuchern einen Strick drehen will, handelt allerdings offensichtlich in böser Absicht.

Sportlich gab es ein paar obligatorische Überraschungen, wobei das Ausscheiden der pomadigen Teams aus Frankreich und Italien schon sehr genüsslich war, der finale Kampf der Bafana Bafana herzzerreißend, der Spielstil des deutschen Teams erfrischend und der Sieg Spaniens verdient. Aber was zählt all dies noch nach jenem Lattentreffer aus elf Metern in der 121. Minute des Spiels Ghana gegen Uruguay. Da vermarktet sich ein ganzer Kontinent mit einer WM, um vom Image des Elends und der ewigen Tragik wegzukommen, und dann scheidet die letzte im Turnier verbliebene afrikanische Mannschaft so aus. Zu allem Überfluss wird dann mit Diego Forlan, dem Mann der eine richtungsändernde Fernbedienung für Jabulani, den Ball, besitzt, auch noch der Teufel höchstpersönlich zum Spieler des Turniers erkoren. Fünf Zentimeter tiefer und es hätte Asamoah Gyan werden können.

Pulpo Paul dementiert mit allen acht Armen abwiegelnd natürlich jegliche Verstrickung in diese Angelegenheit. Ob es stimmt, weiß ich nicht. Nach meinem letzten hand- und armgreiflichen Kampf mit einem Oktopus, den das Tier an der Küste Port Elizabeths für sich entscheiden konnte und mein Abendessen auf Muscheln mit Reis beschränkte, vertraue ich den Kraken aber nicht mehr. Trotzdem muss ich dem Tentakel-Orakel hoch dankbar sein. Da ich während der WM bei der ARD verdingt war und Spiele mit deutscher Beteiligung in Port Elizabeth mehr Arbeit versprachen, war ich natürlich – ganz der Patriot – bis zum Halbfinale glühender Deutschland-Fan, und dann der stolzeste Spanier auf Erden. Mit Pauls gehirnbeeinflussender Hilfe kam es dann ja auch genau so, wie es kommen sollte, und ich durfte für ein paar Minuten mit dem präsidentiellen Wulff tanzen, der anlässlich der Verlierer-Finale-Siegerehrung mal eben herunter gejettet war. Ganz würdig fand ich ihn als Gratulanten für das deutsche Team allerdings nicht, denn die DFB-Elf hatte ja immerhin schon im zweiten Anlauf gewonnen…

Ich will hier aber gar nichts vorgauckeln, denn als ich erfuhr, dass Paul eh bald aus dem Dienst ausscheidet, vergaß ich eh sämtliche Politika und es setzte sich der Karnivore in mir dann doch wieder über den dankbaren Tintenfischfreund durch. In the end I picked Paul…



Sonntag, 13. Juni 2010

Feel it, it's here: Mehr Lesestoff


Der Ball rollt und der Laptop qualmt. Gestern kam ich beim Klassiker Griechenland gegen Südkorea zum ersten WM-Spiel (und nach dem noch prestigeträchtigeren Duell zwischen Weißrussland und Andorra überhaupt erst zweiten Länderspiel) meines Lebens live im Stadion. Und weil gerade Ghana gegen Serbien im Fernsehen läuft, preise ich jetzt auch nur fix und ohne große Umschweife die aktuellen Ergebnisse meiner Schaffenskraft an. Die da wären:

Zwei kleine Videos auf Weser Kurier online, eines zu den letzten Vorbereitungen zum hochoffiziellen Fifa Fan Fest in Port Elizabeth und eins zum Auftaktmatch aus den Kneipen Walmer Townships. Auf der Weser-Kurier-Seite gibt es jetzt sogar einen eigenen Rubrikenkasten für mich. Wow.

Selbigen hat bremen4u schon etwas länger, sogar mit krasser Fotocollage zum Außenkorrespondenten. Nochmal Wow. Dort gibt es übrigens auch drei neue Texte, einer kurz vor der WM, einer nach dem Eröffnungsspiel und ein Bericht vom Deutschlandspiel im Deutschen Klub.
Dann wäre da noch das WM-Tagebuch, jeden Mittwoch und Sonntag im Bremer Anzeiger. Wer ihn nicht in den Briefkasten bekommt, kann auch online im ePaper lesen, was ich so verzapfe, allerdings immer nur bis zum Erscheinen der nächsten Ausgabe.

Etwas tiefgründiger ist mein Bericht über die Gewerkschaft der südafrikanischen Fußballer, der in den Nord-Süd News erschienen ist.

Und für alle Nicht-WM-Fieber-Heimgesuchten gibt es noch einen Artikel in der Neuen Osnabrücker Zeitung über eine junge Osnabrückerin, die bei Masifunde den Planungsprozess für ein neues Jugendzentrum in Walmer Township gemeinsam mit Jugendlichen aus Walmer voran bringt. Die brauchen übrigens noch Spenden für den Grundstück-Kauf, wer also noch nach sinnvollen Alternativen zur Investition in ans Auto anzubringende Nationalflaggen sucht oder auch einfach so ein paar Euro übrig hat, findet auf der Masifunde Homepage mehr Infos.

Montag, 3. Mai 2010

WM-Vorbereitungen werden sportlich

Trotz aller Unkenrufe sind die Stadien in Südafrika natürlich längst fertig und auch wenn hier und da sicher die ein oder andere Straße nicht mehr vor Turnierbeginn fertig wird, ist das Land reif für die WM. Ob das auch für die eigene Nationalelf gilt, die sich gerade in der deutschen Heimatstadt ihres Ausstatters auf das Turnier vorbereitet und dabei nach einem soliden 0:0 gegen Nordkorea und einigen Absagen von wegweisenden Test-Partien gegen die Zweitvertretungen aus Nürnberg und Fürth ein phänomenales 2:0 gegen die am gleichen Tag eingeflogenen Jamaikaner feiern konnte, ist auch in Südafrika zumindest umstritten.

Vielleicht sollte man der Mannschaft nochmal dieses journalistische Stück Real-Satire vorlegen, welches die hiesige Weekend Post in Kooperation mit dem Kapitän des lokalen Zweitligisten am Sonnabend veröffentlichte, um ihren weniger Fußball affinen Lesern noch schnell das richtige "Ballgefühl" zur WM einzuimpfen.

Böse Zungen behaupten ja, man könne Fußball nicht in einem kurzen Artikel erklären.

Ich liefere nur einen Auszug und lade zur erheiternden Komplett-Lektüre ein:

"Ein Spieler steht abseits, wenn er in der gegnerischen Hälfte des Feldes und der gegnerischen Torlinie näher als sowohl der Ball als auch der vorletzte Gegner ist."

Bitteschön!

PS: Die Weekend Post hatte noch einen lustigen Artikel.

Samstag, 13. März 2010

Lesestoff in English

Ich reise grad auf Recherche-Tour durch Südafrika und stoße dabei an einige extreme Enden dieser Gesellschaft. Das reicht von Meetings von Minen-Arbeitern, die der internationale Konzern, der sie beschäftigt hatte, entlassen hat um für die Kosten ihrer durch die Arbeit aufgetretenen Amalgan-Vergiftungen nicht aufkommen zu müssen, bis in die dauerbespaßte Party-Metropole Johannesburg und vom Fußball-Fachsimpeln mit Grenzbeamten in Lesotho bis zur dreisten Schmiergelderpressung ohne tatsächliches Vergehen durch Polizisten in Johannesburg. Viel Zeit zum Bloggen bleibt da nicht, doch ich werde einiges in Artikeln verarbeiten und bestimmt auch noch ein paar Geschichten hier preisgeben.
Vorerst kann ich als Lesestoff aber nur meinen Artikel in der African Times anbieten, der sich mit "weißen" Fußballern in Walmer Township befasst. Zu lesen ist die Reportage hier, allerdings auf Englisch.

Samstag, 25. Juli 2009

Young Chiefs away - love it!

Langsam wird es unheimlich:
Ich komme grad vom dritten Young-Chiefs-Spiel zurück, in dem ich von anfang an beweisen durfte. Heute stand diese Herausforderung unter einem noch schlechteren Stern als sonst sowieso schon, da zu mangelndem Talent und dem mir innewohnenden "Feindbild Ball" auch noch die Hindernisse "5 Wochen ohne Training" und "6 Flaschen Wein zu fünft am Vorabend" hinzukamen. Wie die ersten beiden Partien auch, ging es zudem auswärts ran und wieder haben wir die drei Punkte eingesackt. Ich würde mich dementsprechend ganz bescheiden als Sieggarantie einschätzen...
Schuld daran nach Überzeugung aller heute: Ich sollte das obligatorische Gebet im Mannschaftskreis vorm Anstoß übernehmen und die Jungs wollten es auf Deutsch hören. Tja, eh ich da jetzt die "Es gibt keinen Gott"-Debatte aufmache, hab ich eben schnell ein paar Worte an den Fußballgott gerichtet und siehe da - das German Soccer Muti hat gewirkt.
In einem völlig abgedrehten Spiel sind wir in Hälfte eins recht rasch in Führung gegangen, ehe sich die Stürmer standhaft weigerten eine meiner unzähligen Traumflanken zum 2:0 zu verwerten. Ich habe übrigens festgestellt, dass ich mit Rotweinkater deutlich mehr Luft zu Flankenläufen habe als ohne, was ich aber für nicht weiter bedenklich halte.
In der zweite Halbzeit konnte die Heimmannschaft, übrigens die Truppe des hiesigen Armee-Stützpunkts, dann zunächst ne Sonntags-Granate in unserem Netz platzieren. Wir hatten allerdings reichlich Chancen, den alten Abstand wieder herzustellen, einzig in der Verwertung haperte es, woran ich nicht ganz unschuldig war. So zwanzig Minuten vor Ende durfte das deutsche Pferd von der Außenbahn dann das Grün verlassen und sich an den Wassertrögen laben. Mawethu, der für mich kam, hat dann nach ner Ecke völlig freistehend aus drei Metern gleich mal den Ball zum 2:1 ins Netz gelegt.
Doch nicht nur bei der gegnerischen Abwehr war die Übersicht dahin, der Referee versagte uns in der Folge zwei eigentlich reguläre Treffer und stellte dann noch einen unserer Stürmer vom Platz, weil der einem Verteidiger, der den Ball im Liegen zwischen seinen Beinen eingeklemmt hatte, das Leder rausstochern wollte. Äußerst fragwürdig. Fünf Minuten später entwickelte sich zwischen zwei Kickern eine halbe Schlägerei, der Schiri bemerkte das allerdings erst ungefähr eine Minute später, schickte dann aber beide Jungs runter.
Die Krönung kam in der Schlussminute: Nach einem langen Ball in die Spitze läuft unser Verteidiger einem gegnerischen Stürmer klar den Ball ab und berührt ihn dabei nicht mal. Der Stürmer bleibt ohne jeden Protest steht und watschelt dann zurück, bis er mit überraschtem Jubelschrei darauf reagiert, dass der Mann mit der Pfeife tatsächlich auf Elfmeter entschieden hatte. Ob unserer Proteste regnete es dann noch etwas Gelb, ehe Chantsa, unser Keeper, den halbhoch getretenen Elfer ins Toraus abwehren konnte. Der Referee entschied auf Abstoß und pfiff dann lieber schnell ab, als der Ball in der Luft war. Das Gelächter hinter der Seitenlinie hielt allerdings noch lange an.

Montag, 30. März 2009

Honig-Sieg (oder: Wie Holland selzsam unterging)

Wer Nationen ungefähr so toll findet wie Senf auf Marmelade (wobei anzumerken ist, dass Senf wenigstens manchmal eine sinnvolle Verwendung finden kann), der geht auch auf Länderspiele nicht so wirklich ab. Eine Ausnahme gibt’s aber beim Fußball und die – da bin ich voll mit Funny van Dannen – heißt Holland. Am vergangenen Sonntag stand nun erneut ein Vergleich der Young Chiefs Jungs aus Walmer gegen eine niederländische Auswahl an. Ich hatte leider erst noch zu tun und konnte erst Mitte der ersten Hälfte aufschlagen. Nach der 3:4-Schmach im letzten Aufeinandertreffen mit den Tulpen hatte ich meine Kollegen natürlich ordentlich eingeschworen, mich dieses Mal nicht hängen zu lassen, trotzdem gab es erstmal nicht viel zu feiern: eins zu eins der Spielstand. Kollege Sbu ließ aber recht bald das 2:1 folgen und dank eines glücklichen Treffers kurz vor der Pause ging es mit einem ordentlichen 3:1 in die nicht vorhandenen Kabinen. Wir haben hier dafür aber Honig, den wir natürlich nicht hätten, gäbe es Kabinen. Doch das nur am Rande.

Der Coach war mit dem gezeigten äußerst unzufrieden, polterte ordentlich los, war allerdings auch immer noch diskreditiert, weil er – obwohl in der ersten Halbzeit als Schiedsrichter fungierend – das 3:1 erst mitbekommen hatte, als ein Oranje mit dem Ball in der Hand gen Anstoßkreis lief. Die am Spielfeldrand ähnlich einer Robben-Kolonie aufgereihten Ladies der Holländer waren für ihn wohl ansehnlicher als das Gekicke. Obwohl unser Spiel bis dato wahrlich nicht perfekt war, kann ich diese Ansicht keineswegs teilen. Zumal mir diese possierlichen Schnicksen kurz nach der Einwechslung auch immer sympathischer wurden, indem sie einem Kumpel von mir verklickerten, dass es total lustig wäre, zwei Finger auf die Oberlippe zu legen, den rechten Arm in die Höhe zu strecken und dazu im Stechschritt am Spielfeldrand auf und ab zu stolzieren. Der Gute hatte natürlich keine Ahnung, was er da gerade aufführte. Ich überlegte kurz, den Cantona zu machen, gab mich dann aber doch mit einer sportlichen Antwort zufrieden. Nachdem ich zu unserem 9:1-Sieg zwei Buden und zwei Vorlagen beigesteuert hatte, durfte die Reisegruppe wieder in ihr Nobelviertel fahren. Was ein Tag, erstmals für die Young Chiefs getroffen, die rechte Seite mehr als dicht gemacht, erschöpft vom Platz getrottet und was sehe ich da: Kein Wasser da, aber Bier. Das ist mein Young Chiefs! Zur Ehrenrettung für die Holländer sei noch gesagt, dass die Leute, die die Spiele mit uns organisieren, absolut in Ordnung sind. Und der Rest sind eben Fans, die freuen sich halt. Oder so. Und vor allem schlau wie ein Marmeladenbrot mit Senf.

Mittwoch, 25. Februar 2009

Viva Globalisierung!

Das hier wird soweit ich mich erinnern kann (also seit letztem Montag) die verrückteste Aktion, die ich arbeitstechnisch bisher in meinem Leben verzapft habe: Ich werde bei bremen4u am morgigen Abend das UEFA-Cup Sechzehntelfinal-Rückspiel zwischen dem AC Mailand und Werder Bremen im Live-Blog kommentieren!

Nun fühle ich mich als alter Sofaexperte zwar fachlich für eine derartige Aufgabe einigermaßen gewappnet, hielt mich bisher aber aus rein räumlich-geografischen Gründen für nicht unbedingt predestiniert. Doch weit gefehlt. Denn wie wir ja alle wissen, ist in Südafrika alles viel toller als in Deutschland, weswegen im südafrikanischen Fernsehen SELBSTVERSTÄNDLICH das für die Menschen hier ultimativ-maximal bedeutende Spiel Milan gegen Werder übertragen wird, was in Deutschland leider nur am Radio verfolgt werden kann. Und da bremen4u nicht vom Hörensagen berichtet, bin ich nun der Live-Blog-Reporter. Also klickt Euch zahlreich ein, man kann sogar live dumme (und schlaue) Kommentare hinterlassen.

Samstag, 27. September 2008

U2

Und noch ne Umleitung: Weil ich diesen Blog nicht zum Fußball-Forum machen möchte, hab ich den Spielbericht vom heiß herbei gesehnten Walmer-Derby auf dem dafür viel besser geeigneten und außerdem sehr lesenswerten Sofa-Experten-Blog veröffentlicht. Hier geht's lang!

Mittwoch, 24. September 2008

Hauptsache Chiefs

Gestern habe ich mir ein weiteres riesiges Stück Lebensqualität gesichert: Endlich wieder Fußball. Und das gleich im Doppelpack, doch der Reihe nach:

Gestern Abend stand zunächst das Spiel der Kaizer Chiefs gegen die Mamelodi Sundowns an. Die Chiefs sind ungefähr gleichauf mit den Orlando Pirates Südafrikas größter und auch populärster Club, die Sundowns sind aber auch recht groß, was dann dazu führte, dass dem Match hier im Township ziemlich entgegen gefiebert wurde.

Man muss dazu vielleicht wissen, dass südafrikanische Fußballfans mit europäischen nicht unbedingt zu vergleichen sind. Von welchem Team man Fan ist, hängt eigentlich nie von der Stadt ab, in der man wohnt. Port Elizabeth hat beispielsweise auch eine Erstligamannschaft, aber auf den Wänden der Hütten und Häuschen im Township sieht man nur die Embleme von den Chiefs und den Pirates. Auch die Rivalität ist rein sportlich, wirkliche Fanfeindschaften gibt es nicht.

Ich war jedenfalls mit Juice, der auch schon in jener denkwürdigen, just vergangenen Samstagnacht Teil der Crew war, in einem Shebeen zum Fußballgucken verabredet. Shebeens sind unlizenzierte aber doch irgendwie anerkannte Townshipkneipen, in denen der Drinkhallstyle geboren sein könnte. Ach so und diese Samstagnacht, hab ich da noch nicht von berichtet? Das war Absicht. Nur soviel: Nach dem Erwachen hielt auf unserer Küchenfensterbank ein von einem Pappaufsteller abgetrennter Jack-Daniels-Kopf Wache.

Aber zurück zum Kneipen-Fernsehabend. Erstmal liefen die Nachrichten, während derer irgendwelche Aussagen über den gerade zurückgetretenen Präsidenten Thabo Mbeki auf Xhosa stichpunktartig neben seinem Portraitbild aufgelistet wurden. Schon diese Prozedur begleiteten die anwesenden Leute – vermutlich in Einstimmung auf das Spiel – mit einigen „Ya man!“ und „Amen“. Worum es nun genau ging, weiß ich nicht, Juice meinte nur: „Politics“.

Mit Politics war dann auch ganz schnell Schluss, als die Aufstellungen der Teams auf der Bildröhre erschienen. Das Spiel war übrigens kein gewöhnliches, sondern ein Pokalfinale. Was für ein Pokal das war, schien allerdings irrelevant, wichtigste Zusatzinformation zu dem Kick– die ich bisher ungefähr von acht verschiedenen Leuten zu hören bekam – war, dass es um 8 Millionen Rand (circa 750 000 Euro) ging. Nun denn, wir einigten uns darauf, dass wir die Kohle auch alle gern hätten, orderten noch ein Pils (praktischerweise in 0,75 Liter Fläschchen, damit keiner vor der Halbzeit wegen Nachschub Unruhe macht) und dann ging’s los.

Das Spiel war eine Lehrstunde darin, wie man mit Torchancen nicht umgeht und endete trotz einiger Unsicherheiten beider Defensivreihen und Keeper 0:0. Die Verlängerung brachte auch nichts außer Spannung und vergebenen Chancen, ehe die Chiefs sich mit 4:3 nach Elfmetern durchsetzten. Das war voll nach dem Sinn der meisten Anwesenden und das Tornetz hatte sich noch nicht vom letzten Schuss beruhigt, da standen schon die Hälfte der Leute vor der Tür und tröteten mit ihren Trompeten um die Wette. Auf dem Weg nach Hause haben wir dann noch den einzigen verbliebenen Sundowns-Fan „getröstet“ („Maybe next time!“) und einen Frei-Vodka in einer anderen Shebeen auf dem Weg abgegriffen, ehe es rasch ins Bettchen ging, denn…

… ja, denn: Heute folgte Teil zwei des Fußballprogramms. In der Kneipe hatte Juice mich nämlich Bailey vorgestellt, dem Coach der Young Chiefs, einem lokalen Fußballverein. Ich erschrak dann aber doch leicht, als Bailey mir erstmal entschuldigend beibrachte, dass sie leider nichts bezahlen könnten. Also hab ich mal vorsichtshalber gefragt, in welcher Liga die Herren den spielen und siehe da, der mir zugedachte Verein spielt viertklassig. Trotzdem, zum Training heute um 16 Uhr sollte ich unbedingt kommen. In der Erwartung, die fußballerische Abreibung meines Lebens zu bekommen, bin ich dann da mal hin, aber eigentlich nur, um nicht zu kneifen. Doch so unglaublich hoch war das Niveau dann doch nicht. Die Jungs spielen schon einen schnellen und technisch auch echt guten Ball, aber ich würde sie auf Deutschland übertragen so zwischen Kreis- und Bezirksliga einordnen. Nach der Übung wurde ich jedenfalls direkt gekauft und morgen steht schon die nächste Einheit an. Ich bin gespannt und bleibe dran. Vielleicht wird’s ja doch noch was mit meiner Profi-Karriere…

PS: Falls sich jemand wundert, warum ich mich in der Woche in Shebeens herumtreiben und nachmittags kicken gehen kann: Heute war in Südafrika Heritage-Day, ein nationaler Feiertag. Und zu vererben hatte ich ja nix, da musste ich mir was anderes einfallen lassen.