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Samstag, 12. Februar 2011

Wenn ich hier nicht permanent blogge, hat das natürlich – wie könnte es anders sein – meist mit harter Arbeit zu tun, die anderswo ruft. Weil mir das kein Warzenschwein glaubt, versuche ich es jetzt einmal zu dokumentieren.

Symbolbild.

Es ist Donnerstag-Abend. Es könnte der erste Abend in meiner neuen Behausung werden, die ich am Vortag bezogen, aber dann zur Prime-Time doch lieber gegen ein Gemeinschaftsforum mit Filmvorführung zum Thema „Die Rolle der Gemeinschaft beim Klimawandel und der Begrünung unseres Planeten“ eingetauscht hatte. Und auch am zweiten Abend wird es nichts mit Heimlichkeit zwischen den nach wie vor wild umherliegenden Taschen und Koffern. Nachdem ich mir den Morgen mit dem Versand von wohlklingenden Themenvorschlägen vertrieben, unter Mittag mit einem halben Dutzend Verkäufer-Seelen um meine neue Matratze gefeilscht und anschließend im Stammlokal des lokalen ANC-Büros in grober Missachtung des Vorabends eine halbe, gut durch gekochte Kuh und ein dreiviertel Maisfeld verzehrt hatte, war zumindest schon einmal Halbzeit. Nachmittags durfte ich dann meine munter verstreute Schülerzeitungsredaktion auf den Straßen Walmer Townships einsammeln, weil die Lausebengels und -mädels sich nicht eine Woche lang merken können, wo sie sich wann treffen sollen, und sie anschließend in die heilige Halle des neuen Masifunde-Multimedia-Raums einweihen, der ab sofort unser Redaktionszuhause ist.

Nachdem ich nur Stunden vor dem ersten Rammstein-Auftritt in Kapstadt über das mit der Räumlichkeit einhergehende Regelwerk und die neue deutsche Härte referieren konnte, war auch endlich der Masifunde-Bus von der Inspektion zurück und ich konnte ohne das halbe Klassenzimmer auf der Rückbank die Fahrt zum Supermarkt antreten. Die war nötig, weil ich mir meinen nächsten Arbeitsplatz erst noch erkochen musste. Auf dem Programm stand nämlich die sehnsüchtig erwartete Rede zur Lage der Nation, mit der mich der ehrwürdige Staatspräsident Jacob Zuma auf gleich zwei von vier frei verfügbaren Fernsehkanälen begrüßen würde. Das Problem besteht nur darin, dass auch frei verfügbare Sender zum Empfang ein Empfangsgerät voraussetzen. Und weil ich den Besitz eines solchen ob der Qualität eben jener Sender für redundant halte, quartierte ich mich bei einer Kollegin ein – die dafür Wegezoll in Form von Verspeisbarem verlangte.

Als Zuma fertig war, all die ehrenwerten Gäste einzeln zu umschmeicheln und auch die ausländischen Journalisten ausdrücklich begrüßt hatte, waren auch die Nudeln al dente. Irgendwo zwischen all den positiven Programmankündigungen und gut gemeinten Versprechungen (die ich etwas ernsthafter hier niederschrieb) hat mich der Präsident dann allerdings schwer verwirrt. Er lobte sich für den Bau zweier neuer, klimaschonender Kohlekraftwerke, die später einmal dafür sorgen sollen, dass die Zeiten der geplanten, stadtteilweisen Stromabschaltungen am Kap nicht so schnell wiederkehren und die jetzt schon dafür sorgen, dass sich der ANC und einige seiner ehrenwerten Wirtschaftspartner über einen milliardenschweren Weltbank-Kredit so richtig schön die Konten füllen. Das soll ja auch alles so sein, genau dafür haben Biko, Hani und Co ja schließlich ihr Leben gegeben. Aber dann sprach Zuma davon, dass das Fußvolk auch weiterhin Strom sparen müsse, wegen der Umwelt und des ewigen Lichts und sowieso. Und noch ehe ich gehorsam den Fernseher auschalten wollte, sagte er das Unfassbare. Wir sollen tagsüber den Warmwasserboiler abstellen. Schockstarre. Das aus dem Mund eben jenes Mannes, der die heiße Dusche einst unsterblich machte. Für die Zukunft kann es da nur heißen: Aids oder Stromausfall. Für mich hieß es aber zunächst: Lachen unterdrücken, zuhören, mitschreiben. So oder so, das Leben ist hart.

Montag, 21. Juni 2010



Bei der Recherche für einen Artikel auf ZEIT online habe ich mich neulich in zwei der wichtigsten Museen Port Elizabeths begeben, die unterschiedlicher eigentlich nicht sein könnten: Das Red Location Museum und das South End Museum. Ersteres ist nach den rot-braun korrodierten Blechhütten des ältesten Townships von Port Elizabeth, New Brighton, benannt, wo es inmitten einer Hüttensiedlung auch als Monument neuer Architekturkunst ziemlich verwirrend herausragt. Hier wird genau dort an den Kampf gegen die Apartheid erinnert, wo die erste Zelle des bewaffneten Arms des ANC, uMkhonto we Sizwe, entstand. Das Red Location Museum wurde mit Preisen überhäuft, nicht nur für seine Gestaltung, sondern auch für den Inhalt. Drinnen bekommt der Besucher einen Einblick in die Geisteshaltung der Apartheidregierung, wenn er liest, was der damalige Justizminister (welch Oxymoron, ein Apartheid-Justizminister…) Jimmy Kruger zum Tod des zumindest intellektuell wohl wichtigsten schwarzen Widerstandskämpfers Steve Biko 1977 zu sagen hatte:

Ich bin nicht froh und ich bin nicht traurig über Herrn Biko. Sein Tod lässt mich kalt. Ich kann Ihnen nichts sagen. Jeder Mensch der stirbt… Ich sollte auch traurig sein, wenn ich sterbe… (Gelächter).


Dass Biko ermordet wurde, hatte das Regime damals noch vertuscht, doch selbst als Kruger Monate später zugeben musste, dass Biko an Gehirnverletzungen gestorben war, legte er noch zynisch nach.

Ein Mann kann sein Gehirn auf vielerlei Art und Weise verletzen. Ich wollte meinen Kopf auch schon so manches Mal gegen eine Wand schlagen, aber realisiere jetzt, durch die Biko-Autopsie, dass es gut war, dass ich es nicht getan habe.


Ich denke, man muss nicht unbedingt ein besonders blutrünstiger Mensch sein, wenn man in diesem Moment auch gern die Festigkeit von Herrn Krugers Schädel beim wiederholten Aufprall auf eine Betonwand testen würde. Die hohe, kalte und karge Ausstellungshalle, in der auch der vielen vergessenen und häufig längst gestorbenen oder ermordeten Freiheitskämpfer gedacht wird, transportiert eine Gefühlsmischung aus Trauer und Wut. Wenn man dann rauskommt und die Wohnsituation der Menschen in der Hüttensiedlung sieht, steigt die Stimmung nicht gerade.

Das South End Museum ist dagegen eher ein Mauerblümchen. Es kann sich nicht mit internationalen Preisen schmücken, es ist auch nicht Teil der gewinnbringend vermarkteten Touristen-Touren und es hatte auch nicht das Glück, aus prall gefüllten Fördertöpfen schöpfen zu können. South End war der bunte Hafenstadtteil von Port Elizabeth. Hier lebten Moslems und Christen, Coloureds und Weiße nebeneinander. Bis in den siebziger Jahren die Bulldozer und Planierraupen kamen. Ein friedliches multi-ethnisches Zusammenleben durfte es im rassistischen Südafrika nicht geben. Die meisten Einwohner wurden an den entferntesten Stadtrand zwangsumgesiedelt, heute zeugen nur noch ein paar herrliche Gemälde und die als einziges Gebäude erhaltene Moschee von der einstigen Pracht South Ends. Und eben das Museum, das liebevoll unzählige Familienfotos auf Themenwände geklebt hat, um das ganz normale Familienleben in South End nicht in Vergessenheit geraten zu lassen – Kinder in der Viertel-Schwimmhalle, der örtliche Kricket-Verein, die Angler auf der Hafenmole mit ihren stolzen Fängen oder die Spielmannszüge des Stadtteils. Das kleine Gemeinschaftsmuseum will gar nicht die große Politik erklären. Es zeigt einfach nur haarklein, was in South End alles zerstört wurde. Und eigentlich wirkt das noch viel intensiver.

Soweit wäre all das aber noch nicht einmal außergewöhnlich, Museen zeigen eben auch die traurigen Etappen unserer Vergangenheit. Das Schlucken setzte bei mir aber immer dann ein, wenn zur Geschichte plötzlich Bilder mir bekannter Menschen auftauchten. Im Red Location war das der Vater eines Freundes aus Johannesburg, der als einer von vier Ärzten mit seinen Recherchen den Mediziner vor eine Ärztekommission brachte, der an der Ermordung Steve Bikos mit seinen absichtlichen Falschdiagnosen wesentlich beteiligt war. Im South End Museum war ich mit einem guten Freund, der selbst noch in South End gewohnt hat, auf den Fotos fanden wir ihn selbst, seine heutige Frau und deren Brüder wieder. Auch der Museumsleiter, musste South End einst verlassen.

Sie hatten keine Chance, sagt er, wer sich geweigert habe, wurde ruck zuck abgeführt, nicht selten seien widerspenstige Apartheid-Gegner dann im Hochhaus der Apartheid-Polizei rein zufällig aus dem Fenster gefallen. Die damals aufgerissenen Gräben sind natürlich noch längst nicht zugeschüttet. Erstaunlich ist allerdings, dass der Versöhnungsprozess mehrheitlich immer noch von den einstigen Opfern angeschoben wird. Das merkt man auch bei einer Tour durch ein Township, worum es in meinem Artikel hauptsächlich geht.

Sonntag, 13. Juni 2010

Feel it, it's here: Mehr Lesestoff


Der Ball rollt und der Laptop qualmt. Gestern kam ich beim Klassiker Griechenland gegen Südkorea zum ersten WM-Spiel (und nach dem noch prestigeträchtigeren Duell zwischen Weißrussland und Andorra überhaupt erst zweiten Länderspiel) meines Lebens live im Stadion. Und weil gerade Ghana gegen Serbien im Fernsehen läuft, preise ich jetzt auch nur fix und ohne große Umschweife die aktuellen Ergebnisse meiner Schaffenskraft an. Die da wären:

Zwei kleine Videos auf Weser Kurier online, eines zu den letzten Vorbereitungen zum hochoffiziellen Fifa Fan Fest in Port Elizabeth und eins zum Auftaktmatch aus den Kneipen Walmer Townships. Auf der Weser-Kurier-Seite gibt es jetzt sogar einen eigenen Rubrikenkasten für mich. Wow.

Selbigen hat bremen4u schon etwas länger, sogar mit krasser Fotocollage zum Außenkorrespondenten. Nochmal Wow. Dort gibt es übrigens auch drei neue Texte, einer kurz vor der WM, einer nach dem Eröffnungsspiel und ein Bericht vom Deutschlandspiel im Deutschen Klub.
Dann wäre da noch das WM-Tagebuch, jeden Mittwoch und Sonntag im Bremer Anzeiger. Wer ihn nicht in den Briefkasten bekommt, kann auch online im ePaper lesen, was ich so verzapfe, allerdings immer nur bis zum Erscheinen der nächsten Ausgabe.

Etwas tiefgründiger ist mein Bericht über die Gewerkschaft der südafrikanischen Fußballer, der in den Nord-Süd News erschienen ist.

Und für alle Nicht-WM-Fieber-Heimgesuchten gibt es noch einen Artikel in der Neuen Osnabrücker Zeitung über eine junge Osnabrückerin, die bei Masifunde den Planungsprozess für ein neues Jugendzentrum in Walmer Township gemeinsam mit Jugendlichen aus Walmer voran bringt. Die brauchen übrigens noch Spenden für den Grundstück-Kauf, wer also noch nach sinnvollen Alternativen zur Investition in ans Auto anzubringende Nationalflaggen sucht oder auch einfach so ein paar Euro übrig hat, findet auf der Masifunde Homepage mehr Infos.

Sonntag, 6. Juni 2010

Deutsche Medien-Profis am Werk

Neulich eines kühlen Vormittags, ich hatte soeben einen mit Bildern behangenen Artikel auf die lange Reise von meinem Laptop nach oben in die wunderbar weite Welt des Internets geschickt und war drauf und dran mich in der halben Stunde Upload-Zeit* mit dem Abwasch der vergangenen drei Tage zu beschäftigen, klingelte mein Telefon.

Khanyi Ndabeni vom Herald, der englischsprachigen Platzhirsch-Tageszeitung war am Apparat. Er wolle mal meine Meinung als deutscher Journalist einholen, ob ich denn Südafrika für WM-tauglich befinden würde, was so mein Eindruck vom WM-Fieber wäre und wie das überhaupt damals in Deutschland war.

Was passiert, wenn man vor laufender Kamera drei Pizza-Verkäuferinnen fragt, wie sie denn gedenken, ihr Team während der WM anzufeuern, habe ich in diesem Video-Beitrag zum Fußball-Freitag dokumentiert.

Haha, nun erkläre mal einer einem Südafrikaner aus deutscher Sicht, warum man das eventbesoffene Fahnengeschwenke schwarz-rot-gold geschminkter Party-Hasen nicht mit der vereinigenden Wirkung vergleichen kann, die das WM-Fieber in der immer noch ziemlich stark nach Hautfarben gespaltenen südafrikanischen Gesellschaft hat. Ich habe versucht Herrn Ndabeni zu erklären, dass die Vorfreude – mit dem Unterschied, dass in Deutschland die Stadien viel eher ausverkauft waren – sehr ähnlich aussieht, dass es darüber hinaus aber phänomenal ist, wie auf einmal Südafrikaner aller gesellschaftlichen Hintergründe hinter „ihrer“ Bafana Bafana stehen und das die WM hier deswegen viel mehr zu bedeuten scheint.

Das war ihm dann aber wohl zu viel des Guten. Aber wichtig ist ja auch nicht, dass Journalisten darüber schreiben, sondern dass es passiert. Wäre ich pathetisch würde ich jetzt sagen, dass am Ende des Regenbogens zwar ein Goldschatz vergraben sein mag, am Anfang aber definitiv ein Fußball liegt.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Gier und Regulierungswut der FIFA, die sich in den Augen vieler Südafrikaner inzwischen völlig des Landes ermächtigt hat, Obdachlose und Straßenhändler vertreiben lässt und bei sechs Milliarden WM-Kosten für den südafrikanischen Staat noch stolz heraus posaunt, 2010 noch einmal 50 Prozent mehr verdient zu haben als 2006 in Deutschland, diese Stimmung nicht noch abwürgt. Momentan übertönen die Vuvuzelas die kritischen Töne noch lautstark und da die Kohle jetzt eh weg ist und das Fest ansteht, ist das auch gut so.


*Das liegt an den dicken Wänden meiner neuen Behausung. Wenn ich den Laptop vor die Tür stelle, dauern drei MB nur fünf Minuten, aber meist bin ich zu faul alles abzustöpseln.

Freitag, 28. Mai 2010

Lesestoff: Die große Presseschau

Sportliche Großereignisse führen zu einem verstärkten internationalen Medieninteresse. Glorreiche Weisheit, oder? Ich werde das im Folgenden mit einem kleinen Schwall von Werken belegen, die ich in den letzten Tagen und Wochen vollbracht habe.


Leider habe ich erst beim Zurückgeben bemerkt, dass der Helm, der mir unumstritten mindestens so gut passt wie einst diesem Bauleiter im ersten(?) Werner-Film, hinten noch mit dem Slogan "Hustlerz World" verziert war. Ist vermutlich das Standard-Schutzzeug für freie Journalisten...

Sportliche Großereignisse führen aber noch zu viel mehr. Und darum geht es.

Speziell die von der liebenswerten, kleinen ur-sportlichen Quasi-Familienorganisation FIFA veranstaltete Weltmeisterschaft führt auch immer zu vielen lustigen Regularien. Die Südafrikaner haben nur nach dem Bisschen Apartheid einen ziemlich lauen Humor und sind beispielsweise in ihre neue Pressefreiheit völlig verbissen. Dabei wollte die FIFA sich doch nur vorbehalten, akkreditierte Journalisten mit Ausschlussdrohungen von den Spielen in den AGBs ein klein wenig auf den Pfad der Tugend zu helfen(weil man in Genf so ungern kleckert dann möglicherweise auch gleich für die ganze Redaktion oder bei entsprechender demokratischer Lust sogar des Gesamtverlags). Falls sie sich rufschädigend verhielten natürlich nur und auch all das nur im Interesse – Innenminister dieser Erde horcht auf – der SICHERHEIT! Logisch, wenn pöbelnde Weißbierjournalisten ne Machete in die Hand bekommen, die hier ja in jeder zweiten dieser Killer-Tröten versteckt ist, hätte ich auch so meine Sorgen. Gut gemeint also der Vorstoß der FIFA.
Doch was machen diese schreibenden Biltong-Terroristen? (Als solche, nur ohne Biltong, war der ANC inklusive Nelson Mandela, übrigens bis vor ein paar Jahren in den USA noch eingestuft. Zufall?) Rumnölen, protestieren, Briefe schreiben, Anwälte beschäftigen! Da kann einem doch glatt der Spaß an der Diktatur, äh pardon, am Fußball vergehen. Die FIFA sah sich dann tatsächlich genötigt, ihre Anwälte schriftlich erklären zu lassen, dass sie Journalisten nicht standrechtlich erschießen werden, wenn sie darüber schreiben, dass Joseph Blatter knackelige Weibsbilder (=Frauen) am liebsten in Röcken spielen ließe und dass die Fußballweltregierung südafrikanische Polizisten von der Verbrechensbekämpfung abhält und sie stattdessen lieber zwingt, Jagd auf verarmte Mütterchen zu machen, die versuchen, vorm Stadion ein paar Snacks an den Fan zu bringen, um zu Hause mal wieder ein Schälchen Maisbrei mehr auf den Tisch stellen zu können. Oder ähnliche Rüpelgeschichten. Nur Fotos über die Handy-Dienste von Verlagsangeboten zu versenden, dass gestatten die Genfer Herren, den südafrikanischen Medienhäusern immer noch nicht. Sonst könnten sich wahrscheinlich auch einfach zu viele ein Bild machen, oder eben wenigstens mal eins empfangen von und aus den Stadien, in die man ja auch gerne mal gewollte hätte…
Einen wesentlich weniger polemischen Artikel über den Kampf der südafrikanischen Journalisten gegen die FIFA schrieb ich für das Medienmagazin M. Online hier.

Zum Glück ist die WM aber weit mehr als nur FIFA-Wahnsinn. In Südafrika ist sie momentan vorrangig Grund zur Vorfreude. Das merkt man auch den Arbeitern an, die derzeit in Port Elizabeth den letzten Feinschliff rund ums Stadion und in der Innenstadt leisten. Mit ihnen habe ich für ein kleines Video auf Weser-Kurier Online gesprochen.

Es bauen und freuen sich da übrigens die ganze Zeit längst nicht nur Südafrikaner. Auch viele Migranten waren am Stadionbau beteiligt, umso niederträchtiger ist einzuschätzen, was da neulich in einer Pressemitteilung einer Flüchtlingsorganisation durch die südafrikanischen Medien waberte. Sobald die WM vorüber sei, so hörten es immer mehr Flüchtlinge in den Townships, werde „aufgeräumt“, sprich munter weiter gebrandschatzt und vertrieben wie schon zu Beginn des Jahres 2008. Er habe von den Gerüchten auch schon gehört, hat mir ein Bekannter aus Simbabwe erzählt, aber es seien eben auch nur Gerüchte. Die Nigerianer, die ich in der Innenstadt getroffen habe, waren gänzlich ahnungslos und unbekümmert. In Walmer Township, wo es schon vor zwei Jahren ruhig geblieben war, hegt auch niemand große Ängste. Aber Port Elizabeth war eben auch eher friedlich während der Welle der Fremdenfeindlichkeit. Und die sozialen Brandherde, die mangelnden Häuser, Stadtteilentwicklungsprojekte, Wasser-Anschlüsse, Arbeitsplätze oder – träum mal, Südafrika – Freizeitangebote in Townships, sind natürlich immer noch da. Der Staat hatte ja auch gerade ein anderes Großprojekt allein zu finanzieren. Die FIFA, der böse Zungen nun vielleicht sogar eine partielle Beteiligung an der finanziell prekären Lage und damit eben auch der sozialen Probleme unterstellen könnten, hat sich des Themas natürlich nicht angenommen. Blatter hat aber stolz erzählt, dass er bei Gordon Brown und diesem französischen Playmate-Präsidenten eine ganze Million Dollar für Bildung in Afrika aufgetrieben hat. Was ein Held! Die Kosten der WM für Südafrika werden übrigens auf insgesamt circa 6 Milliarden Euro geschätzt. Aber davon hat das Land ja später auch noch so einiges. Was genau und wie viel das Wert ist, weiß natürlich niemand so genau, aber Fakt ist schon seit 2008, dass die FIFA dank der Fernsehrechte-Vermarktung soviel Zaster macht, wie noch nie zuvor. Meine bewundernde Gratulation!
Um die Thematik dreht sich auch ein Artikel, den ich für das WM-Special der jungen Welt beigesteuert habe. Leider gibt’s den momentan nur als paid content… Aber fragt mal bei Blatter nach, was heute noch umsonst ist?
Es dürften in den nächsten Tagen noch einige Stücke folgen, recht polythematisch. Ich hab’s nicht ausgewogen, aber ich glaube es ist es und vor allem ist es viel. Guten Appetit.

Dienstag, 13. April 2010

Nichts ist umsonst?



Südafrika ist eines der Länder mit dem weltweit höchsten Gefälle zwischen Arm und Reich. Die Townships, von denen jedes noch so kleine Städtchen außerhalb der ehemaligen Homelands für Schwarze mindestens eines hat, sind Beweis dafür. Doch auch hier bleibt die Zeit nicht stehen. Auf Recherchereise für eine Reportage in der jungen Welt habe ich mich Mitte März nach Soweto begeben, dorthin, wo mit dem blutig niedergeschossenen Schüleraufstand von 1976 der Anfang vom Ende der Apartheid eingeläutet wurde. 34 Jahre später hat sich vieles gewandelt, viele Häuschen sind schicker geworden, die Straßen sind meist akkurat und die Menschen leben in würdiger Freiheit. Arm sind die meisten aber immer noch, lediglich 23,7 Prozent haben einen mehr oder minder festen Arbeitsplatz und noch stärker als die Villenviertel in Diepkloof, dem reichsten Teil Sowetos, wachsen die Blechhüttensiedlungen an den Rändern der Township-Ansammlung mit 1,3 Millionen Einwohnern.

Krasser als hier in Johannesburg lässt sich die neue Finanz-Apartheid Südafrikas eigentlich kaum erleben. Die größte und finanzstärkste Finanzmetropole des afrikanischen Kontinents ist mit ihren jüngeren Sattelliten-Townships wie dem verslumten Orange Farm durch eine Straße verbunden, die völlig zu Recht Golden Highway heißt. Der Sand, der hier verbaut ist, stammt nämlich aus den Goldminen, die den Reichtum Johannesburgs begründet haben. Heute könnte man – modernen chemischen Methoden und einem hohen Goldpreis, der das Verfahren rentabel macht sei Dank – aus der Straße Gold gewinnen. Die Bewohner von Orange Farm haben von dem Reichtum freilich nichts. Wir treffen beim Besuch eines Selbsthilfeprojekts mit angeschlossenem Kindergarten auf eine Gruppe älterer, abgekämpft wirkender Männer. Sie waren Arbeiter in den Mangan-Minen der britischen BHP Biliton. Als sie vom Mangan vergiftet erkrankten, hat der Betrieb sie entlassen, um sich vor den Kosten der Behandlung und den Entschädigungszahlungen zu drücken. Das war 1996. Seitdem kämpfen die Männer um Gerechtigkeit, während immer mehr von ihnen durch das Gift in den Körpern dahingerafft werden.


Die ehemaligen Arbeiter vor dem Selbsthilfebüro.

Sogar dem Kindergarten droht inzwischen die Schließung. Denn Orange Farm wartet seit zehn Jahren darauf, dass die Versprechen der Stadtoberen, ihren Stadtteil mit einer Kanalisation und die Haushalte mit fließend Wasser zu versorgen. Das Projekt wird aber immer wieder abgebrochen. Da die Vorschriften für den Betrieb eines Kindergartens aber Toiletten mit Spülung und fließendes Wasser verlangen, steht die liebevoll aus dem Nichts aufgebaute Einrichtung für 85 Kinder aus der Umgebung vor dem aus.


Der Kindergarten des Itsoseng-Projekts. Itsoseng heißt soviel wie "Wach auf!", denn von außen hilft hier keiner.

Selbst wer wie Ashley, ein Freund meines Gastgebers in Johannesburg, das Glück hatte, von den reichen Städtern, für die seine Mutter als Haushälterin arbeitete, auf eine gute Privatschule geschickt worden zu sein, kämpft hier noch auf ziemlich verlorenen Posten. Für die über einstündige Minibus-Taxi-Fahrt von Palm Springs, seinem Heimat-Township, zur Arbeit im westlichen Zentrum Johannesburgs zahlt er monatlich 800 Rand. Für seinen Vollzeit-Job als Kassierer bei Woolworth bekommt er 2000 Rand. Da bleiben 120 Euro zum Leben. Und Ashley zählt sicherlich schon zur Township-Mittelschicht. Er hat Marketing studiert und mit Bachelor abgeschlossen. Er könnte auch einen besseren Job mit besserem Verdienst bekommen – allerdings nur in Kapstadt, wie er erzählt. Aber da will er nicht hin, die Mutter und die Familie halten ihn in Palm Springs.

Wer keinen Job hat, lebt am Existenzminimum. Als im Jahr 2000 auch noch die Strom- und Wasserversorgung teilprivatisiert worden und internationale Konzerne Gewinne mit den Armen machen wollten, erinnerten sich die Township-Bewohner rund um Johannesburg wieder ihres Kampfgeistes. Seitdem verknüpfen tausende flinke Hände fleißig abgeklemmte Stromkabel und verplombte Wasserleitungen neu. „Die sagen ‚Nothing for mahala‘, also nichts ist umsonst, doch das Wasser kommt von Gott“, ereifert sich Jabulani Molobela, einer der Aktivisten, der uns zeigt, wie das Wiederverbinden funktioniert und was der Wasserkrieg mit den Vorgärten in Soweto angerichtet hat: Sie liegen brach, kaum einer baut noch Gemüse vor dem Haus an, weil die Kontrolleure skeptisch werden könnten. Nach Schätzungen versickern bis zu zwei Drittel des nach Soweto gepumpten Wassers im Boden, weil das Leitungssystem hoffnungslos veraltet ist und niemand investieren will. Geht es nach dem halbstaatlichen Konzern Johannesburg Water sollen die Armen das Investitionsvolumen aufbringen, am besten gleich, indem sie ihr Wasser im Büro des Stadtteilbürgermeisters auf Prepaid-Basis kaufen. Das Schild der Wasserfirma ist – anders als das Namensschild des Quasi-Rathauses – das einzige an dem Gebäude, was noch gut lesbar ist.


Profit meets Politik

Doch die Zähler stehen still, kaum einer zahlt. Als eine Frau sich beim Wasserschleppen das Genick brach, haben sie geklagt, bis zum Obersten Gericht, und Recht bekommen. Die Grundversorgung mit Wasser ist in Südafrika ein Menschenrecht. Weil der Konzern die Umsetzung des Urteils mit sogenannten Tricklern, die den Wasserhahn nur tröpfeln lassen und dem Prepaid-System versucht zu unterwandern und weil alle Einsprüche und Protestmärsche erfolglos blieben, haben Jabulani und Co ihren pragmatischen Ansatz gewählt und zum Werkzeug gegriffen. Sie haben schließlich nicht mit ihrer Jugend für den Freiheitskampf bezahlt, um jetzt im Dunkeln zu verdursten, scheint das Gefühl zu sein. Und schließlich sei man noch nicht am Ziel. „Der Kampf geht weiter“, sagt Jabulani.

Die ganze Reportage gibt’s hier.

Montag, 17. August 2009

Gekommen um zu bleiben

Nun ist es vollbracht, mein Reisepass ist um einen Aufkleber reicher und der erlaubt mir, bis November 2011 im Lande zu bleiben. Darauf habe ich am Wochenende township-stilgerecht mit einer Flasche Old Brown Sherry angestoßen und nach einem kleinen Deutschland-Aufenthalt geht dann ab Dezember das Korrespondenten-Dasein in hoffentlich vollen Zügen los. Einen weiteren Vorgeschmack gibt es übrigens in der Jungen Welt von morgen.
Nebenbei bleibe ich Masifunde als Pressekontakter erhalten und erarbeite mit zwanzig top-motivierten Township-Highschool-Schülern ein monatliches Schulmagazin. Von dem Projekt werde ich demnächst auch mal mehr berichten.

Ergo: Auf diesem Blog geht es noch lange im gewohnt unregelmäßigen Trott weiter!

Viele Grüße
Christian

Mittwoch, 10. Juni 2009

Wir komm’n jetzt im Fernsehen!



Da wir uns bei Masifunde ja nur höchstselten mit dem Zweiten abgeben, haben wir jetzt als erstes professionelles Fernsehteam auch direkt eines der ARD in Walmer Township begrüßen können. Ursprünglich wollte die dreiköpfige Crew unsere Programme ja nur an einem Sonntagnachmittag abfilmen, wir haben sie dann aber subversiv auf den Geschmack gebracht und für einen weiteren Drehnachmittag ins Jugendzentrum gelockt.



So haben die Kollegen vom Ersten, die übrigens für mich etwas überraschend aus einer rein südafrikanischen, dafür aber sehr witzigen Crew bestanden, am Montagnachmittag noch unseren Hausaufgabenclub und das Life-Skill-Programm „Learn4Life!“ gefilmt. Der Humor der Jungs lässt sich ungefähr dadurch verdeutlichen, dass sie ein Interview bei der Familie eines geförderten Jungen ganz rasant beginnen wollten, weil nebenbei der Fernseher lief und Südafrika gegen Polen gerade das 1:0 geschossen hatte. Eine Führung für Bafana Bafana, das ist eben schon ein historischer Moment, dessen Bestand meist nicht allzu lange vorhält. (Randnotiz: Die Mannschaft, deren Trainer Santana in einem Interview neulich äußerte, die WM gewinnen zu wollen und dafür den Kommentar kassierte, dass nicht viele im Land seinen Optimismus teilten, rettete das Tor aus der vierten Minute tatsächlich über die Zeit.)



Herrlich fand ich auch, dass der Kameramann im Hinblick auf den Beruf meiner Freundin (ab Januar Arzt) anmerkte, dass dann wenigstens einer von uns beiden einen ordentlichen Beruf hätte. Schön war’s, hoffen wir mal, dass es auch ein schöner Bericht wird.

Die Bilder und Interviews werden übrigens – wenn die Cutter-Schere es will – bereits am kommenden Sonntag ab 18 Uhr in der Sportschau zu begutachten sein, wo dann die neun Austragungsorte der WM im kommenden Jahr vorgestellt werden. Einschalten und Masifunde zum Tor des Monats wählen!



WICHTIGE ÄNDERUNG: Der Programmdirektor hatte was dagegen. Wir sind aus der Sportschau gestrichen, stattdessen lief der Beitrag bereits gestern im Mittagsmagazin. Die letzte Hoffnung: Am kommenden Montag, 15. Juni, sind wir noch einmal ab 22.45 im WDR in der Sendung Sport Inside zu sehen. Schluchz.

Freitag, 24. April 2009

Wahlberichterstattung

Ich bin zwar spät dran mit der Ankündigung, aber ich schrieb zwei Vorberichte zur Wahl in Südafrika, einen für den Weser Kurier und einen für die junge Welt. Ersterer steht leider nirgends online, letzteren findet der interessierte Leser hier.

In den nächsten Tagen dürfte in den beiden Zeitungen auch noch was folgen, ich verspreche, es kund zu tun...

NACHTRAG: Der Aufmacher in der jungen Welt von heute. Ich muss gestehen, dass der Alliterationsansatz in der Überschrift nicht von mir ist und frage mich nun schon den ganzen Morgen, warum ich nicht selbst auf etwas wie "Hütten-Held hält Hoffnung hoch" gekommen bin. Gone Fishing...

Donnerstag, 12. März 2009

Filmstars mit Singstar



Das Titelbild hat diesmal keine erweiterte Bedeutung. Es ist einfach nur filmreif. Genau wie die letzten Wochen. Von denen war das aber auch erwartet worden. Schließlich filmten wir.

Also, gutes Foto, schlechte Kalauer, alles beim alten und damit in den neuesten Reisebericht.

Das sonnige Bild ist übrigens irgendwo auf dem Weg zwischen Kimberley und Kapstadt entstanden. Die Verkehrsdichte in der Karoo-Halbwüste ist da nicht immer so hoch, wenn mal was kommt, dann aber auch gern zwei LKW auf einmal. Man hat ja noch den Standstreifen zum Ausweichen – angenehmes Reisen… Dass ich diese Gegend überhaupt schon wieder zu Gesicht bekam, verdanke ich dem Videojournalisten Michael Wigge, der nach Südafrika gekommen ist, um eine Doku über Land, Leute und Kontraste zu drehen.

Der höchste Hügel in Walmer Township: Einst Truppenübungsplatz, heute media mountain.

Das Werk soll deutschen Schülern der Klassenstufen sieben und acht bald im Geografieunterricht als Lehrfilm dienen. Und damit die Kinners das auch aus einer adäquaten Perspektive vermittelt bekommen, dienten Masifundes dreizehnjähriges Patenkind Sarah und ihre beste Freundin Farah als Hauptdarsteller. Die Freundin kommt aus einer (übrigens ziemlich coolen und Seafood-erprobten) Mittelstandsfamilie und Sarah aus dem Township. Gebe es nicht Masifunde und die Bildungspatenschaften hätten sie sich vermutlich nie getroffen. Nun spielen sie im Film zusammen Singstar und erfreuen sich noch tausend anderer Sachen. Die Kontakte zu den Kids und der Schule, sowie den „Sicherheitsdienst“ im Township und ein paar andere Kleinigkeiten hatte ich für Michael organisiert, sodass ich mich endlich mal wie ein echter Pressebetreuer fühlen durfte. Coooool. Dazu gibt’s noch zwei immens wichtige Experten-Kommentare meinerseits auf dem Tape, sodass neben Masifunde auch ich künftig berühmt sein dürfte… Naja, ich wäre schon sehr zufrieden damit, solch einen Job noch öfter machen zu können. Hat nämlich echt Spaß gemacht.

Sarah beim Dreh Zuhause.

Die Dreharbeiten waren recht umfangreich, erstmal ging’s in die Schule, dann ins Township, zu beiden Eltern und dann noch an tausend Orte, um den Info-Teil für Südafrika zu bebildern. Wilde Tiere, tiefe Minen und weite Flächen mussten her, dazu ein paar Museen und Denkmäler für den Geschichtsteil.

Zwischendrin spielte sich kurz vor Ende unserer Drehzeit in Port Elizabeth noch eine denkwürdige Szene ab. Michael und ich suchten in der Dresden Bakery, der deutschen Bäckerei von Port Elizabeth, die übrigens von einer ehemals Hamburger Familie geführt wird, nach einem zweiten Frühstück. Der Kuchen war lecker, der Cappuccino auch, doch das allein wäre kaum berichtenswert. Als Michael bezahlen wollte, fasste sich die Bäckersfrau ein Herz und fragte ihn in bestem Hamburger Schnack: "Sagen sie mal, sind Sie nicht der Michael Wigge vom Deutsche Welle Fernsehen?" Da er es war und das auch zugab, lud sie uns nach kurzem Klönschnack ein, mit ihrem Sohn an einem mysteriösen Jeep-Wettbewerb teilzunehmen. Wir schlugen ein, befürchteten jedoch ein waghalsiges Rennen durch wildes Terrain. Aber weit gefehlt, Sohn David entpuppte sich als sehr relaxter, aber dennoch zielstrebiger Genosse und Ziel des Wettbewerbs war es in ruhigem Tempo möglichst kuriose Aufgaben am Rande der Strecke zu bewältigen. So suchten wir nach Schlossfabrikaten an Flußwehren, mussten Bilder mit einem Naturreservat-Tor-Wächter machen, nach Warnschildern suchen und zum Höhepunkt unter dem Druck der Stoppuhr in den nächtlichen Busch rennen, ein Bild mit einem komischen verrosteten Metall-Teil machen, zurückkehren, ein Rad vom Jeep schrauben, einmal um den Wagen tragen, wieder befestigen und einsteigen. 12:40 Minuten. Durchschnitt. Egal, das Bier hat geschmeckt, die Landschaft war hervorragend und ein paar Büffel haben uns auch noch kurz gute Nacht gesagt. Toll!

Unsere Jeep-Crew: David (links) und sein Co-Pilot Keith.

Dieses formschöne Bild ist ebenfalls ein Relikt dieser herausfordernden Tour...

Nach einer Woche in Port Elizabeth haben wir uns dann aber auf den Weg gemacht, um die fehlenden Doku-Aufnahmen im Lande einzuholen. Das heißt dann natürlich, dass das Verhältnis zwischen reisen und filmen etwas kurios wird, wenn man ewig weit fährt, um kurz eine Wüste zu filmen, aber ohne Mühen kein schicker Film. Und als Nebenprodukt konnte ich immerhin noch ein paar Fotos mit nach Hause nehmen. Ich bin daher mal schreibfaul, nutze das gute Internet in Kapstadt und beeindrucke nicht buchstäblich aber bildlich.

Hier versucht sich ein Nashorn im Kragga Kamma Game Park zu verstecken. Das ist allerdings recht schwer, weil der kleine Wildpark eher einer Farm für wilde Tiere ähnelt, viel freie Fläche, perfekt zum filmen, etwas doof für die Tiere, wenn sie mal unter sich sein wollen. Aber vielleicht wollen sie ja gar nicht. Die Menschen schießen hier ja nur digital.

Auch die Büffel offenbaren sich an gleicher Stelle. Dieses Foto taugt übrigens dazu, meine Theorie zu belegen, dass Büffel nur große Kühe sind.

Und hier noch ein paar große Pferde mit Flecken.

Das ist alles, was Südafrika als Ehre für den Freiheitskämpfer Steve Biko an der Stelle übrig hat, an der Apartheids-Polizisten ihn so schwer folterten, dass er an den Verletzungen später bei der Überführung auf der blanken Ladefläche eines Kastenwagens 30-jährig starb. Der Zellentrakt wird noch immer für Häftlinge benutzt.

Das weltberühmte Big Hole, leider auch schon die Hauptattraktion der Diamantenhauptstadt Kimberley. Die Entstehung ist landestypisch: Ein Diamantenbaron ließ es von mit Hungerlöhnen abgespeisten Arbeitern auf der Hatz nach Glitzersteinen graben, strich den Reichtum und den Ruhm ein und ließ die Arbeiter fein arm.

Michael beim Filmen einer total echten Diamantenmine.

"Scotland is poorer in men but richer in heroes", teilt uns dieses Denkmal für die Schotten, die 1899 während des Zweiten Burenkrieges in der Schlacht von Magersfontein fielen, mit. Na denn.

Diese Schildkröte bewohnt die kargen Weiten der Karoo. Nun wissen wir auch, warum dort so wenig Gras wächst.

So sieht die Karoo aus - betrachtet aus dem Fenster meines Schlafzimmers im Karoo National Park. Sie sieht aber eigentlich überall so aus.

Achso, ich hab jetzt übrigens auch ne Katze.

Der Abendhimmel über meinem Lieblings-Schnorkelstrand in Port Elizabeth. Gute Nacht!

Mittwoch, 25. Februar 2009

Lesestoff

Ich bin abseits der großen Fußball-Bühne derzeit ziemlich stark in einen Doku-Dreh eingebunden, von dem ich noch berichten werde, da kommt es mir äußerst gelegen, Euch, verehrter Leserschaft, zwei neue Artikel aus der Neuen Wernigeröder Zeitung vorzustellen, die ab sofort im Masifunde-Pressespiegel abrufbar sind. Da ich darin künftig regelmäßig Tagebuch schreibe und längst nicht nur deswegen lohnt sich für den geneigten Leser guter und mit Herzblut gemachter Lokalpresse aus Wernigerode und umzu vielleicht auch ein Abo. Den Link zum Verlag gibt's in der Spalte rechts. Aber hier und hier erstmal die Texte...

Mittwoch, 14. Januar 2009

Mehr Lesestoff

Die Presseschau kommt geballt dieser Tage.

Schöne Bilder und einen ausführlichen Artikel veröffentlichte ich in der Neuen Wernigeröder Zeitung. Hier ist der Link.

Dienstag, 13. Januar 2009

Noch mehr Lesestoff

Masifunde im Weser Kurier, diesmal aus anderer Perspektive. Hier geht's lang...

Samstag, 1. November 2008

Und es hat Zoom gemacht

Ich habe es zwar nur einmal und nicht tausend Mal probiert, trotzdem wird morgen mein Artikel über zwei von Masifunde geförderte Schüler auf der Zoom-Seite des Weserkuriers am Sonntag erscheinen. Also kauft diese schöne Zeitung und erwähnt dabei unauffällig, dass ihr es nur wegen mir getan habt... ;-)
Nein, im Ernst: Wer etwas über den Schulalltag der Township-Kids auf reichen Schulen, ihre Integration in eine völlig andere Welt und die Probleme der Kinder auf Townshipschulen wissen möchte, dem dürfte der Text einige Antworten geben. Genug der Eigenwerbung.

PS: Hier der Link

Montag, 27. Oktober 2008

Ein Tag in Walmer Township


Hinter all diesen Fenstern...

Der Wecker hat es wieder schwerer mit mir. Nachdem ich mir das ewige Snooze-Tasten-Gedrücke eigentlich schon abgewöhnt hatte, bin ich hier in Walmer rückfällig geworden. Das Zimmer ist einfach zu klein, um das lärmende Gerät ausreichend außer Reichweite zu platzieren. Und so vergeht dann meist einige Zeit bis ich mich unter der wärmenden Decke hervortraue um sogleich ins Bad zu sprinten, weil der Arbeitsbeginn naht. Die Wege sind glücklicher Weise kurz, die Distanz vom Bett zum Büro-Schreibtisch kann jeder anhand des nun folgenden Bilds selbst abschätzen.


...und dann in meinem Zimmer

Nach dem allmorgentlichen Team-Talk, bei dem wir die Aufgaben für den Tag absprechen, geht’s dann um kurz nach 9 an die Arbeit. Montags etwas später, weil wir da eine richtige Sitzung machen und die gesamte Woche planen. Heute waren dabei direkt frohe Botschaften zu verkünden. Zwei Unternehmen haben als Spender für unser Summer Camp zugesagt. Das entlastet unser Budget für den neuntägigen Ausflug mit den Kindern ein wenig, auch wenn da noch mehr kommen muss. Die 60 Kinder wollen schließlich nicht hungern, wenn sie einmal im Jahr in den Genuss eines Ferienausflugs kommen. Wer selbst mal in einer Ferienfreizeit war, dürfte ja noch wissen, wie groß die Vorfreude ist, und für Kinder, die von Urlaub sonst nicht einmal zu träumen wagen, ist so ein Ausflug natürlich das Highlight schlechthin. Von daher muss das klappen, damit es auch zukünftig Summer Camps geben kann.

Doch zurück zum Tag. Nach den Dankesmails musste noch ein Artikel für den Newsletter fertig werden, ein paar weitere Spenden-Anrufe warteten auf mich, dann noch einen Artikel für die Homepage planen - und ruckzuck ist so ein Vormittag auch schon rum. Nach der – heute etwas verspäteten – Mittagspause mache ich mich dann zu Fuß auf den Weg ins Xolelanani Youth Centre, dem Jugendzentrum, in dem ich ab 15 Uhr die Kinder beschäftige, die darauf warten, mit 1:1-Betreuung ihre Hausaufgaben zu machen. Fotos von den Straßen zu machen ist nicht immer ganz leicht, weil Kameras doch eine hohe Anziehungskraft auf die Kinder hier haben.


Ich bin den ganzen Weg gegangen

Die Gestaltung des Programms liegt für die zwei Stunden in meiner Hand, hängt aber auch stark vom Benehmen der Kinder ab. Sind sie brav, gibt’s am Tag darauf auch mal einen Spiele-Nachmittag, versuchen sie Chaos zu veranstalten, werden Arbeitsblätter ausgefüllt. Unser Lehrer Dr. Selzsam lässt im Ernstfall auch schon mal das Alphabet zu Papier bringen, Ordnung muss ja schließlich sein.


Xolelanani Youth Centre und Masifunde-Bus: No money left to burn


So soll es sein

Wenn ich die letzten Racker nach Hause entlassen habe und im Centre keine Aufgaben mehr für mich anliegen, gehe ich nach Hause, um dort bis zum Feierabend weiterzuarbeiten. Der Heimweg geht in den seltensten Fällen mit weniger als drei Smalltalks vonstatten, obwohl es eigentlich nur zehn Minuten Fußweg sind. Einer der potentiellen Gesprächspartner ist Zola, der selbst eine Tanzgruppe im Jugendzentrum betreut.


Zola und wieviel von seinen Freundinnen

Zola wohnt direkt gegenüber des Jugendzentrums in einem von der Regierung bereitgestellten Haus. Diese kleinen Steinhäuser sind inzwischen absolut prägend für das Stadtbild im Kern von Walmer. Es gibt jedoch verschieden große Häuser, je nachdem zu welcher Zeit sie errichtet wurden. Da diese Häuser jedoch den vorher auf dem gleichen Grund in Wellblechhütten lebenden Menschen nicht genügend Platz bieten, haben die Leute sie oft einfach erweitert – oder hüttisiert, wie die Menschen hier sagen. Hüttisieren geht folgendermaßen: Man nehme das von der Regierung errichtete Steinhaus und baue ein perfektes Mimikri von Wellblechhütte direkt an eine der Seitenwände an. Einer unserer Nachbarn hat diese Bauweise in nahezu vollkommener Perfektion vollbracht.


Haus ohne Balkon gegenüber

Neben den Steinhäusern und hüttisierten Steinhäusern gibt es im Kern von Walmer zwar auch noch Wellblechhütten, die Häuser sind aber ganz klar in der Mehrzahl. Je weiter man in die neueren, teilweise informellen Erweiterungen des Townships vordringt, desto schlechter wird allerdings auch der Lebensstil. Dort steht dann wirklich Hütte an Hütte, durch manche kann man tatsächlich durchgucken, so undicht sind die rostigen Wände. Dazu kommt, dass ein Teil der ohne Genehmigung errichteten Hütten auf einer ehemaligen Müllkippe stehen. Der Boden gibt dort immer wieder neuen Müll frei, zudem steit Methangas auf, was nicht unbedingt gesundheitsförderlich ist. Das Wohlstandsgefälle, das dem oberflächlichen Betrachter nur zwischen dem Township und den wohlhabenderen Stadtteilen auffällt, ist also auch innerhalb der Siedlung sehr groß.

Mit unserem – wenn auch sehr kleinen – Steinhäuschen leben wir da natürlich ganz klar am oberen Ende der Skala.


Die Stufen, die Haustür, kein Flur


Die Auffahrt zum Haus mit Auto (im fünften Gang 180)

Einen Warmwasserboiler hat sonst beispielsweise kaum jemand hier. Dieses Gerät weiß ich aber sehr zu schätzen, wenn ich nach getaner Arbeit und absolviertem Fußballtraining nach Hause komme. Morgen wird wieder so ein Tag sein. Der heutige klingt gleich noch mit Xhosa-Unterricht aus.

In diesem Sinne: Sala kakuhli!

Freitag, 10. Oktober 2008

Was ich hier mache - der Legende letzter Teil

Etwas verspätet will ich nun über meine Aufgaben bei Masifunde fabulieren und die Trilogie damit vervollständigen. Wer von mir zu meiner Arbeit hier noch gar nichts gehört hat, fragt sich wahrscheinlich, was Journalismus mit Bildungsförderung zu tun hat. Gut, Lesen bildet mitunter, aber da hat sich der Link nicht versteckt. Die Antwort ist einfacher: Ich mache die Pressearbeit für Masifunde in Südafrika. Und da die sich nicht immer an 9-to-5-Arbeitszeiten halten kann, gibt’s diesen Text auch erst heute. Weil Masifunde nämlich den Dönhoff-Förderpreis gewonnen hat*, brauchten wir schnell professionelles Filmmaterial aus Südafrika. Weil ich aber weder acht Arme noch eine DV-Kamera habe, musste ich fix innerhalb eines Tages für den darauf folgenden einen Kamera-Mann nebst Equipment organisieren. Das hat zum Glück geklappt und dann haben wir Dienstag zu zweit von 10 bis 19 Uhr in einem Guss gedreht, ehe es zum Schlemmer-Teil des Tages überging. Die Aufnahmen, die uns in die Schulen der Kinder, in die Hausaufgabenbetreuung, zu den Eltern und in die Lifeskill-Stunde führten, haben richtig Laune gemacht und sind darüber hinaus auch äußerst geeignet, in die Beschreibung meines Aufgabenbereich praktisch einzusteigen.

Ganz so spannend wie beim Filmdreh ist es allerdings nicht immer, dafür aber auch meist nicht so stressig. Die einzige Konstante in meiner Arbeit ist die, das ich immer wieder etwas anderes mache. In den ersten Wochen habe ich mich in die Bearbeitung der Homepage eingearbeitet und massenhaft Informationsseiten über Masifunde gelesen, um auch wirklich im Thema zu sein, über das ich dann berichten kann. In der Zukunft werde ich versuchen, Redaktionen vor allem in Südafrika anzusprechen und sie auf unsere Aktionen aufmerksam zu machen, um die Bekanntheit unserer Organisation hier vor Ort zu steigern. Außerdem werde ich mich um unsere englische Homepage kümmern und Journalisten betreuen, die hier her kommen wollen um zu berichten. All die schönen Aufgaben der Außendarstellung liegen allerdings momentan noch etwas in der Ferne, da im Dezember unser alljährliches Summer Camp ansteht. Und damit die Kinder dabei nicht verhungern, treiben wir momentan mit Hausbesuchen in Supermärkten die nötigen Sachspenden auf. Das ist nicht immer leicht und mit Sicherheit auch nicht meine Lieblingsbeschäftigung, aber es ist wichtig, denn das Spendengeld aus Deutschland brauchen wir für wichtigere Dinge, das soll Bildung ermöglichen.

Zusätzlich zu diesen Aufgaben arbeite ich aber auch ganz konkret mit den Kids, wenn auch nicht so häufig. Da geht es vor allem um Hausaufgabenhilfe, also ganz konkret das Einmaleins durchgehen oder die Uhrzeiten digital und mit Zeigern erklären. Einmal haben wir in einer Learn4Life-Stunde aber auch unseren Ausflug aufgearbeitet und mit den Kids über wichtige Werte wie Solidarität und Zusammenhalt gesprochen. Als praktische Übung dazu haben wir die Kinder dann Artikel über den Ausflug schreiben lassen – tja, irgendwo muss sich der Kreis ja auch schließen…

Geschlossen ist hiermit dann auch meine Arbeitsbeschreibung. Ich hoffe, es war aufschlussreich und interessant. Fragen sind mehr als willkommen…

* Der nach der einstigen Zeit-Chefredakteurin und -Herausgeberin benannte "Marion Dönhoff Förderpreis für internationale Verständigung und Versöhnung" wird von der Marion Dönhoff Stiftung (wer hätte es gedacht), der ZEIT und der ZEIT Stiftung herausgegeben. Aufgrund der vorsichtig gesagt nicht ganz unbedeutenden Erscheinung diese Stiftung, macht es momentan auch Spaß, Masifunde zu googlen...

Freitag, 3. Oktober 2008

Was ich hier mache - Teil 2 von 3

"Education is the most powerful weapon which you can use to change the world." ("Bildung ist die stärkste Waffe, zu der man greifen kann, um die Welt zu verändern.")

Dieses Zitat Nelson Mandelas ziert nicht nur die englische Informationsbroschüre über Masifunde, seine Aussage ist auch ein Stück weit mein Antrieb, hier zu arbeiten. In der nun folgenden Fortsetzung des Eintrags vom Donnerstag werde ich beschreiben, wie diese Waffenlieferung funktioniert.



Der Ansatz liegt nach der Vorgeschichte auf der Hand: Um dem beschriebenen Teufelskreis aus mangelnder Bildung und Armut zu entrinnen, muss ein nachhaltiges Förderungskonzept bei den Kindern ansetzen und ihnen die gleiche Bildung ermöglichen, die gleichaltrige Kinder reicherer Familien auch bekommen. Weil das soziale Umfeld sich aber nicht per Fingerschnippen in die Idylle eines von Vogelgezwitscher geprägten Luxusvororts verwandeln lässt, brauchen die Kinder zusätzliche Unterstützung, die ihnen die Kraft gibt, ihre Aufgaben auch unter erschwerten Bedingungen zu absolvieren.

Da es allerdings weder realistisches Ziel noch Aufgabe eines ehrenamtlichen Vereins sein kann, diesen Segen flächendeckend zu verteilen, muss zudem ein Weg gefunden werden, den gesamten Stadtteil von der Förderung einiger Weniger profitieren zu lassen. Denn zum einen ist Masifunde kein Elitenförderungsprogramm und zum anderen wäre die Gefahr von Neid und Missgunst sonst viel zu hoch.

Masifundes Arbeit im Walmer Township besteht daher aus drei Säulen.

Die erste ist die naheliegendste und zugleich teuerste: Die geförderten Kinder werden auf exzellente Schulen in den reicheren Stadtteilen Port Elizabeths geschickt. Wer dort hin darf, welches Kind also ausgewählt wird, entscheidet sich in einem dreistufigen Test. Zunächst schlagen die Lehrerinnen einer mit Masifunde kooperierenden Vorschule geeignete Kandidaten vor, die sich durch Cleverness auszeichnen und gleichzeitig finanziell bedürftig sind. Daraufhin untersucht der festangestellte Masifunde-Koordinator in Walmer das familiäre Umfeld der Kinder. Wichtig ist dabei, dass zumindest ein verlässlicher Ansprechpartner existiert. Schließlich müssen die Kids sich dann noch in einem Auswahlgespräch an der ihnen zugedachten Schule beweisen - werden sie dort angenommen, sind sie dabei. Masifunde ist also in die formelle Schulbildung nur administrativ involviert. Die Masifunde-Freiwilligen helfen - was die direkte Schulbildung betrifft - lediglich bei den Hausaufgaben. Dazu gibt es einen Homework Club, der von einer südafrikanischen Lehrerin geleitet wird und in dem auch internationale Studenten der hiesigen Nelson Mandela Metropolitan University mithelfen.


Lernen, Lernen und nochmals Lernen!

Wenn die letzten Kinder dann um 17 Uhr mit ihren Hausaufgaben fertig sind, schließt sich Säule Nummer zwei an, die den formschönen Namen Learn4Life! trägt. Das Programm, das in Bremen sicherlich Lifeskills4u heißen würde, trägt den Nachhaltigkeitsansatz Masifundes in sich. Es hat daher die Schlüsselfunktion unseres Einsatzes inne, den es schafft die Verknüpfung zwischen den mit den Stipendien versorgten Kindern und gleichaltrigen Schülern aus Township-Schulen. Die insgesamt knapp 60 Learn4Life!-Kinder treffen sich auf die fünf Wochentage verteilt und nach Alter in Kleingruppen aufgeteilt einmal wöchentlich für anderthalb Stunden im Jugendzentrum. Zusätzlich gibt es monatliche Ausflüge und als Anreiz für die regelmäßige Teilnahme ein einwöchiges Summer Camp, das dieses Jahr vom 8. bis 16. Dezember stattfindet - so wir denn die nötigen Spenden auftreiben können, aber das ist eine andere Geschichte.

In all diesen Programm-Teilen geht es dann in einem in Kooperation mit der Uni entworfenen interaktiven Unterricht um insbesondere im Township wichtige Themen wie beispielsweise friedliche Konfliktlösungsstrategien, gesunde Ernährung, Drogenprävention und Aids-Aufklärung. Daneben wird den Kindern ihre Verantwortungsrolle in ihrem Umfeld eingeimpft, um sie so zu Multiplikatoren und Botschaftern in Sachen Aufklärung und Bildung zu machen.

Das klingt so niedergeschrieben natürlich alles etwas theoretisch und verkopft und ich hatte da anfangs auch so meine Zweifel, ob Grundschüler dann wirklich rausrennen ins Leben und laut "Bildung alaaf" schreien. Diese Unsicherheit hat sich allerdings in Gänsehaut aufgelöst, als ich beim letzten Elternabend der Geschichte einer Mutter eines Drittklässlers lauschte, die stolz berichtet hat, das ihr Sohn seiner zwei Jahre älteren Schwester nun beigebracht habe, was fünf Jahre Townshipschule nicht vermocht hatten: Lesen und Schreiben. Sicher, das funktioniert bei einigen besser und bei anderen schlechter, aber es fällt schon auf, das manche Kinder für ihr Alter auch innerhalb der Gruppe eine ungeheuere Verantwortung übernehmen und einfach eine Reife zeigen, die mich manchmal schlicht erstaunen lässt.


Bulelani sagt "Ja" zu südafrikanischem Wasser.

Doch weg von der Schwärmerei, Masifunde hat nämlich noch eine dritte Säule, die allerdings schneller erzählt ist und unseren Verein fest im Township verankert. Um den Ansatz der Arbeit hier umfassend zu machen, unterstützt Masifunde nämlich auch ein Kinderheim, das eine Frau aus Walmer Township aus Eigenengagement gegründet hat, und das Jugendzentrum, das einst übrigens von der IG Metal gebaut wurde und heute neben unseren Programmen eine Töpferwerkstatt, eine Tanzgruppe und einen Kindergarten für bedürftige Kinder beherbergt, den Masifunde ebenfalls fördert.

Welche Früchte all diese Bemühungen einmal tragen, lässt sich heute natürlich noch nicht mit Gewissheit sagen. Hoffnungsschimmer gibt es, wie beschrieben, bereits einige, doch ob die Kinder es schaffen werden, ihre Schullaufbahn erfolgreich abzuschließen und ob sie sich dann auch noch ihrer Verantwortung für ihr Umfeld verpflichtet fühlen, kann natürlich heute noch niemand mit Gewissheit sagen.

Ich bin da mal optimistisch gespannt und hoffe ich geht's in Erwartung von Teil 3 der Masifunde-Geschichte ähnlich. Voraussichtlich Sonntag geht's dann um meine Rolle im System...