Samstag, 12. Februar 2011

Wenn ich hier nicht permanent blogge, hat das natürlich – wie könnte es anders sein – meist mit harter Arbeit zu tun, die anderswo ruft. Weil mir das kein Warzenschwein glaubt, versuche ich es jetzt einmal zu dokumentieren.

Symbolbild.

Es ist Donnerstag-Abend. Es könnte der erste Abend in meiner neuen Behausung werden, die ich am Vortag bezogen, aber dann zur Prime-Time doch lieber gegen ein Gemeinschaftsforum mit Filmvorführung zum Thema „Die Rolle der Gemeinschaft beim Klimawandel und der Begrünung unseres Planeten“ eingetauscht hatte. Und auch am zweiten Abend wird es nichts mit Heimlichkeit zwischen den nach wie vor wild umherliegenden Taschen und Koffern. Nachdem ich mir den Morgen mit dem Versand von wohlklingenden Themenvorschlägen vertrieben, unter Mittag mit einem halben Dutzend Verkäufer-Seelen um meine neue Matratze gefeilscht und anschließend im Stammlokal des lokalen ANC-Büros in grober Missachtung des Vorabends eine halbe, gut durch gekochte Kuh und ein dreiviertel Maisfeld verzehrt hatte, war zumindest schon einmal Halbzeit. Nachmittags durfte ich dann meine munter verstreute Schülerzeitungsredaktion auf den Straßen Walmer Townships einsammeln, weil die Lausebengels und -mädels sich nicht eine Woche lang merken können, wo sie sich wann treffen sollen, und sie anschließend in die heilige Halle des neuen Masifunde-Multimedia-Raums einweihen, der ab sofort unser Redaktionszuhause ist.

Nachdem ich nur Stunden vor dem ersten Rammstein-Auftritt in Kapstadt über das mit der Räumlichkeit einhergehende Regelwerk und die neue deutsche Härte referieren konnte, war auch endlich der Masifunde-Bus von der Inspektion zurück und ich konnte ohne das halbe Klassenzimmer auf der Rückbank die Fahrt zum Supermarkt antreten. Die war nötig, weil ich mir meinen nächsten Arbeitsplatz erst noch erkochen musste. Auf dem Programm stand nämlich die sehnsüchtig erwartete Rede zur Lage der Nation, mit der mich der ehrwürdige Staatspräsident Jacob Zuma auf gleich zwei von vier frei verfügbaren Fernsehkanälen begrüßen würde. Das Problem besteht nur darin, dass auch frei verfügbare Sender zum Empfang ein Empfangsgerät voraussetzen. Und weil ich den Besitz eines solchen ob der Qualität eben jener Sender für redundant halte, quartierte ich mich bei einer Kollegin ein – die dafür Wegezoll in Form von Verspeisbarem verlangte.

Als Zuma fertig war, all die ehrenwerten Gäste einzeln zu umschmeicheln und auch die ausländischen Journalisten ausdrücklich begrüßt hatte, waren auch die Nudeln al dente. Irgendwo zwischen all den positiven Programmankündigungen und gut gemeinten Versprechungen (die ich etwas ernsthafter hier niederschrieb) hat mich der Präsident dann allerdings schwer verwirrt. Er lobte sich für den Bau zweier neuer, klimaschonender Kohlekraftwerke, die später einmal dafür sorgen sollen, dass die Zeiten der geplanten, stadtteilweisen Stromabschaltungen am Kap nicht so schnell wiederkehren und die jetzt schon dafür sorgen, dass sich der ANC und einige seiner ehrenwerten Wirtschaftspartner über einen milliardenschweren Weltbank-Kredit so richtig schön die Konten füllen. Das soll ja auch alles so sein, genau dafür haben Biko, Hani und Co ja schließlich ihr Leben gegeben. Aber dann sprach Zuma davon, dass das Fußvolk auch weiterhin Strom sparen müsse, wegen der Umwelt und des ewigen Lichts und sowieso. Und noch ehe ich gehorsam den Fernseher auschalten wollte, sagte er das Unfassbare. Wir sollen tagsüber den Warmwasserboiler abstellen. Schockstarre. Das aus dem Mund eben jenes Mannes, der die heiße Dusche einst unsterblich machte. Für die Zukunft kann es da nur heißen: Aids oder Stromausfall. Für mich hieß es aber zunächst: Lachen unterdrücken, zuhören, mitschreiben. So oder so, das Leben ist hart.

Dienstag, 25. Januar 2011

Sie haben keine Wal

Weil ich gerade absolut verdient im Urlaub verweile, gibt es mal wieder etwas Konserven-Kost, vorabgedruckt in der jungen Welt. Südafrika hat nämlich die große Ehre, den netten Konzern Wal-Mart willkommen zu heißen. Die Euphorie hält sich allerdings noch merklich in Grenzen - und das in einem Land, in dem Menschen einst "We love you, Mr. Blatter" auf Plakate schrieben... Hier der Link.

Freitag, 21. Januar 2011

Sonntag im Zoo



Nur einen Zoo gibt es in Südafrika noch. Als ich so durch das schattige Areal unter den herrlich grünen Bäumen in East London wandelte, kam mir der Gedanke, dass das auch gut so ist. Für umgerechnet 2,50 Euro geht’s rein in die Welt der verstörten Affen, Tiger und Wölfe. Sogar drei Schlangen sind hier in Glasboxen von der Größe eines mittleren Fernsehers ausgestellt. Eine kommt aus den Südstaaten der USA, eine ist heimisch und die dritte hat kein Namensschild mehr. Vermutlich handelt es sich um Thabo Mbeki. Kleiner Polit-Joke am Rande…





Die Giraffe erfreut sich neben ein paar Böckchen relativer Lauffreiheit. Man fragt sich lediglich, warum das Tier hier mitten in der Innenstadt, nur einen Katzenwurf von der Haupt-Minibus-Station entfernt, überhaupt ausgestellt wird, wo Giraffen doch auch in der näheren Umgebung in großer Zahl ihre langen Hälse in den Himmel strecken. Doch diese Frage müsste man sich dann auch bei der Kuh stellen, die ein paar Meter weiter neben dem Kamel auf der Wiese steht. Doch das sind Luxusprobleme. Die offensichtlich verhaltensgestörten Paviane haben es da in ihrem verdächtig nach außen verbogenen Käfig schon wesentlich schwerer. Während der Tiger wenigstens noch etwas Platz zum tigern hat und sich das kleine Rudel Wölfe in seinem schlauchförmigen Gehege immerhin auf und ab den obligatorischen Wolf laufen kann, erschloss sich mir nicht, ob das Nil-Krokodil nur zu faul oder in seiner Badewanne einfach des Platzes beraubt war, sich einmal umzudrehen. Ja, so ein Zoo ist schon eine tierfreundliche Einrichtung. Zumindest für die Kaninchen, die überall frei rumliefen und sich sichtlich über die Gefangenen lustig machten.









Man glaubt nun, das Leben der Tiere sei bereits hart genug. Doch weit gefehlt, es gibt ja noch die Zoo-Besucher. Ich habe noch nirgendwo Menschen so schamlos Affen mit Erdnüssen füttern, Giraffen mit Pullovern schlagen oder Raubkatzen mit plötzlichem Klatschen animieren sehen, wie in diesem Innenstadtidyll East Londons. Der Höhepunkt war allerdings die Familie mit drei Kindern, die dem Schimpansen tatsächlich ihre Pepsi zuwarfen. Gut, so konnte er wenigstens zwischen den beiden Marktführern für derlei Brausen wählen, denn Coca Cola war natürlich auch hier schon zuerst vertreten. Zumindest die Besucher haben es also verinnerlicht, das Motto, das die Toten Hosen einst besangen: „Hier sind wir frei, an einem Sonntag im Zoo.“

Montag, 17. Januar 2011

Schneller ans Ziel




“Wenn du das Lenkrad in die Hand nimmst, bist du schon tot.” Der Satz stammt von dem Mann, der bei Masifunde morgens die Kinder zur Schule bringt und sie nachmittags auch wieder abholt. Vorm Arbeitsbeginn wird im Minibus gebetet. Ob das in erster Linie mit seiner Frommheit oder schierer Angst zu tun hat, ist mir nicht bekannt, aber Mfana hat auch einen guten Rat parat: „Du musst hier immer für die anderen mitfahren und auf alles vorbereitet sein.“ Im Gegensatz zu seinem harschen Einstiegssatz ist das die blanke Realität.

In Südafrika hat vor Kurzem eine Kampagne gegen Alkohol am Steuer für Wirbel gesorgt, die damit kokettierte, dass betrunkenen Fahrern im Knast Vergewaltigungen drohen. Angeblich scheint das wohl auch zu stimmen (ich kann das nicht beurteilen, mein investigatives Rechercheinteresse hat Grenzen), aber die Darstellung von Gefängnisinsassen als triebgesteuerte Monster und die gleichzeitige Duldung der Zustände fanden bei Menschenrechtsorganisationen nicht gerade breite Zustimmung. Dass solche Kampagnen überhaupt nötig sind, liegt zum einen daran, dass Alkohol am Steuer von der breiten Mehrheit wenn nicht gar selbst praktiziert dann zumindest toleriert wird und es immer wieder zu tödlichen Unfällen kommt. Südafrika hatte allein im vergangenen Dezember mehr als ein Viertel der Verkehrstoten, die die Statistik für Deutschland im gesamten Jahr 2009 auswies – bei einer halb so großen Bevölkerungszahl und wesentlich weniger Autos pro Kopf. Da spielen natürlich auch andere Faktoren, wie vor allem verkehrsunsichere Autos und Busse eine wesentliche Rolle, aber der zu tiefe Blick ins Glas hat definitiv seinen Anteil an der schrecklichen Statistik. Das Eastern Cape, die Provinz in der ich lebe, ist trauriger Spitzenreiter und stellte im vergangenen Jahr bei einem Fünftel der Bevölkerung die Hälfte der erwischten Autofahrer. Und das liegt nicht gerade an den strengen Kontrollen, denn wer bei einer Verkehrskontrolle ohne Ausfallerscheinungen seinen Führerschein vorzeigen und den eigenen Namen noch fehlerfrei aussprechen kann, wird im Normalfall gar nicht zum Pusten gebeten.

Als Präventivmaßnahme gibt es daher an den Tankstellen des Landes auch keine alkoholischen Getränke zu kaufen. Selbst Supermärkte bieten lediglich Wein an, den Rest gibt es nur in speziellen Liquor-Stores. Vor diesem Hintergrund hat mich die eingangs abgebildete Geschäftsidee, die ich neulich in der Provinzstadt Queenstown bei der Durchreise an der Hauptstraße sah, dann doch überrascht. Da muss man den Wagen nicht einmal verlassen, um Nachschub zu beschaffen. Na dann Prost.

Dienstag, 4. Januar 2011

Wichtig!

Symbolbild (Dem Frosch ist nichts passiert!)

Falls es noch eines Beweises bedurfte, dass das Südafrika-Interesse in Deutschland in letzter Zeit gestiegen ist, Stern.de hat ihn geliefert. Doch lest selbst, welch dramatische Ereignisse sich nur 1000 Kilometer nördlich meiner beschaulichen Heimatstadt Port Elizabeth abspielten. Und sagt nicht, das wäre alles nur Quak.

Ansonsten hätte ich zur allgemeinen Heiterkeit noch eine Sammlung von Touristenbeschwerden anzubieten, die die Kollegen von Sueddeutsche.de bereitstellen.

Ich kann leider weiter nichts beitragen, ich muss weg.

Freitag, 24. Dezember 2010

Frohes Fest



Nicht was ihr denkt, das aber gerne auch. Doch nun zum Thema: In den vergangenen anderthalb Wochen berichtete ich für die junge Welt aus Tshwane von den Weltjugendfestspielen. Ja, die gibt es noch. In etlichen sozialistischen Ländern wie beispielsweise Venezuela oder Kuba und auch in manchen Ländern, die gern mit sozialistischer Rhetorik kokettieren, wie beispielsweise Südafrika, sind die Weltjugendfestspiele sogar wieder zu ziemlich großer Bedeutung angestiegen.

Für den Weltfrieden, gegen das Imperium!

Nun war – die südafrikanische Presse beschränkte sich in ihrer Berichterstattung nahezu völlig auf diesen Aspekt – bei dieser Veranstaltung nicht immer alles ganz bis ins Detail organisiert. Oder anders ausgedrückt: Die ANC-Jugendliga hat vor geraumer Zeit die ehemals unabhängige, staatliche Jugendentwicklungsagentur NYDA übernommen. Das war insofern praktisch, als dass es bei der NYDA dutzende gut dotierte Jobs gibt, in denen man eigentlich überhaupt nichts machen muss. Außer Sonntagsreden erwartet von diesen Stellen hierzulande sowieso niemand irgendetwas. Besagte NYDA übernahm nun die Organisation der Weltjugendfestspiele, federführend dabei war unter anderem einer ihrer Vorstände, Andile Lungisa, der ansonsten auch als Vize-Präsident der ANC-Jugend fungiert. Ich habe ihn am vierten Konferenztag auch zufällig getroffen, als er mich nach dem Eingang zum Medienzentrum gefragt hat. Man weiß, was man tut…

War besser organisiert: Nordkoreanische Delegation

Die engagierten Organisatoren schafften es, die ersten vier Festivaltage zu mehr als fünfzig Prozent dem eigenen Organisationschaos zu opfern, sie vollbrachten es außerdem, tausende Delegierte tagelang ohne regelmäßiges Essen zu lassen (wenn denn mal eine Lieferung ankam, sicherten Wachleute mit Maschinenpistolen die Ausgabe, damit die lechzende Meute nicht zum Sturm ansetzte) und internationale Delegationen bis zu dreimal die Unterkunft wechseln zu lassen, weil die Planung schlicht non-existent war. Da fällt es schon fast nicht mehr ins Gewicht, dass auch die Shuttle-Busse anfangs oft Stunden zu spät kamen, die Akkreditierungsliste unauffindbar war und Rednerinnen wie Winnie Mandela nicht erschienen, weil niemand sie rechtzeitig eingeladen hatte.

Südafrikanische Demonstranten auf der Abschlusskundgebung


Thematisch wäre vielleicht noch zu erwähnen, dass Seminare wie „Wohnraum als Menschenrecht“ oder „Die Rolle junger Menschen im Kampf gegen Analphabetismus“ komplett ausfielen und Diskussionsrunden über freie Bildung und solidarische Krankenversicherungsmodelle – die angeblich soweit oben auf der ANC-Agenda stehen – ohne Südafrikaner im Podium auskamen. Wenn zu dieser Unfähigkeit gut verdienender Polit-Kader dann noch immer wieder das Freiheitslied über Solomon Mahlangu erklingt, dessen Leben 1979 mit 23 Jahren am Galgen des Apartheid-Regimes endete, weil er für die Gleichberechtigung aller Menschen in seinem Land kämpfen wollte, dann hinterlässt das schon ein sehr unwohles Gefühl in der Magengegend. Zur Ehrrettung der Veranstaltung sei allerdings noch erwähnt, dass die zweite Festspiel-Hälfte wesentlich runder lief, die Seminare teilweise sehr interessant und informativ waren und die informellen Kontakte zwischen den Jugenddelegationen, die sich so global vernetzen, sowieso das wichtigste an einem solchen Festival.

Global beliebter Lebensmittelkonzern wirbt vor antiimperialistischer Kulisse.

Außerdem will ich ja nicht nur Leid und Übel beklagen, denn nun wendet sich die Geschichte und ein bezauberndes Märchen beginnt:

Eines Abends trug es sich zu, dass eine Gruppe südafrikanischer Delegierter das Medienzentrum stürmte. Die Männer und Frauen gaben an, ihre Führung zu suchen. Die ließ natürlich nur höchst selten dazu herab, sich mit dem Fußvolk zu vermischen und war auch an diesem Abend abwesend. Man muss ja schließlich nicht gleich in Aktionismus verfallen, nur weil man 12000 internationale Gäste eingeladen hat, die gern mehr über die politische Lage des eigenen Landes wissen wollen. Das haben sie auf diese Art und Weise ja schließlich auch selbst bestens herausgefunden. Auf die Frage, was sie denn so auf die Palme brächte, erklärten nun also einige der so aufgebrachten Menschen, dass sie seit Ewigkeiten nichts zu essen bekommen hätten und außerdem die Busse, die sie zu ihrer Unterkunft bringen sollten, nicht aufzufinden sein. Das klang realistisch. Aber es war leider komplett falsch, wie bei der Pressekonferenz am Tag darauf zu erfahren war. Die Jugendlichen seien von der Konferenz so aufgeputscht gewesen, dass sie den Imperialismus gleich hier und jetzt besiegen wollten. Daher der Sturm. Auch das leuchtete mir ein, obwohl es natürlich schade ist, dass die eigentlich beteiligten anscheinend gar nicht wussten, was sie taten. Die Frage ist nur, ob die Jugendliga-Oberen sich bewusst sind, in welcher Rolle sie bei diesem Spiel wären. Halleluja!

Enthusiasmus pur auf der Abschlusskundgebung

Dienstag, 7. Dezember 2010

Von Roten Römern, Soldaten und Warzenschweinrücken

Soso, leicht verspätet nun auch die offizielle Verlautbarung. Ich bin zurück. Zurück in Südafrika und damit auch zurück im Sommer. Diese Nachricht ist allerdings hochgradig unspektakulär, zumal ich hier seitdem – mit Ausnahme eines fiesen Plus‘ an Arbeit – im Wesentlichen nichts anderes gemacht habe, als im Deutschland-Urlaub: Steinpilze sammeln und Angeln.



In Wirklichkeit ist dieser ganze Mythos des freien Korrespondenten ja auch nur vorgeschoben, um meine obsessive Steinpilzsucht über die europäische Saison hinaus zu befriedigen. Der Plan ging nun auf der Südhalbkugel erstmals auf und zwar in einem malerischen Bergdorf mit dem noch malerischeren Namen Hogsback – was übersetzt so viel wie „Warzenschweinrücken“ heißt.

Meine Oma hatte Angst, dass ich ob der Entdeckung hiesiger Steinpilzvorkommen nun gar nicht mehr nach Deutschland käme. In Anbetracht dieser Tagesausbeute sollte sie beruhigt sein...

Pilze sammeln in Südafrika ist allerdings mit anderen Hürden verbunden als in Deutschland. Zwar läuft man in den hiesigen Kiefernplantagen seltener Gefahr von Hundertschaften Cross-Rallye fahrender Jäger über den Haufen gefahren zu werden und auch die fiese Pilzmade hat die Migration gen Süden wohl nicht mitgemacht, doch dafür bevölkern größere Pavian-Gruppen die Wälder und laben sich an den Steinpilz-Stielen. Die Kappen überlassen sie dann der sommerlichen Hitze, auf dass sie schaurig am Waldboden vergammeln. Ein tragisches Bild, an den beiden Tagen auf dem Warzenschweinrücken war ich allerdings oft genug vor den Affen da, sodass es letztendlich für eine ordentliche Portion Steinpilznudeln reichte.

Um meine Diät etwas eiweißreicher zu gestalten, ließ ich mich dann noch vom guten Skipper Jerry in die Geheimnisse des südafrikanischen Hochseeangelns einweihen. Weil Fischer-Kollege Ansgar mehr mit Fische anfüttern beschäftigt war, fanden Beres und ich in Jerry einen hervorragenden Ersatz-Partner für die Aufgabe, die obligatorische Flasche Old Brown Sherry zu leeren. Sonst beißen die Fische nämlich nicht. Das Angeln an sich ist relativ simpel: Man hängt halbe Sardinen an riesigen Haken unter Zuhilfenahme massiver Grundbleie 30 bis 50 Meter in die Tiefe des Indischen Ozeans, wo eine bunte Runde mir bisher größtenteils vollkommen unbekannter Fischarten sich daran macht, den Köder zupfend zu entwenden. Manchmal bleiben sie dabei hängen, was ein Ruckeln an der knüppelgleichen Pilk-Rute in der Hand des Fischenden auslöst.


Profis!


Frag mich keiner, wie das Tier heißt. Es schmeckt jedenfalls gut.

Schwierig wird es erst, wenn der Fisch an Bord ist. Denn ob Roter Römer, Grünäugiger Hai, Daggarad oder Soldat: Die meisten kurios getauften Tiefseegeschöpfe haben irgendwelche fiesen Stacheln oder Giftdrüsen. Jerry konnte das allerdings nicht aus der Ruhe bringen und so gingen wir mit einer Kühltruhe voll Fisch die Heimreise an. Trotz der absolut unspaghettimonsterlichen Abfahrtszeit um 5.30 Uhr schreit dieser Trip nach Wiederholung. Zumal wir angeblich noch viel tollere Fischarten mit mir größtenteils entfallenen Namen verpasst haben. Ich gelobe unterdessen auch wiederholte Aktivität an dieser Stelle.


Hai and bye!