Mittwoch, 1. April 2009

Fischotter of Death

Bei gefährlichen Tieren in Südafrika fällt einem ja so einiges ein. Die tödlichen Pranken des Löwen, die wahrhaftig fast blinde Wut des Nashorns, die krasse Masse von Elefant oder Flusspferd, ja selbst noch die List des Büffels – allesamt nicht besonders gesund für den ungeschützten Menschen. Auch im Wasser lauert so einiges, Krokodile und Haie lassen uns in Horrorfilm-Fantasien abtauchen. Mich hat das ja bisher eher wenig beeindruckt. Ich verfiel nicht einmal in Panik, als ich beim Hummertauchen nahe der False Bay, einer der wohl am dichtesten mit Weißen Haien bevölkerten Bucht der Welt, bemerkte, dass sich mein Tauchhandschuh rot gefärbt hatte, weil die kleinen Hummer mir ein paar Kratzer in die Haut gehackt hatten. Der Kenner sieht: Hier schreibt ein richtig harter Hund. Nun hat mir aber doch ein Tier das fürchten gelehrt. Hier der Thriller, zart Besaitete sollten lieber woanders weiter lesen:


Umstrittene Beutetiere

Auf der Jagd nach Alikreukeln, meinen Lieblingsseeschnecken, die inzwischen einen wesentlichen Teil meines Fleischverzehrs stellen, schnorchelte ich vor der Küste Port Elizabeths ruhig und friedlich umher. Weil die See etwas rau war, entschloss ich mich während des Tauchgangs, kurz zur Rast auf einen Felsen zu klettern. Nach kurzer Zeit wurde ich von dort aus auf einen scheinbar possierlichen Fischotter aufmerksam, der das Spiel der Wellen zu genießen schien und quietschfidel und jungfräulich in der Gischt planschte. Durch Zahnpastawerbung mit ähnlichen Tieren von Kindesbeinen an in die Irre geleitet entschloss ich mich, den kleinen Racker auch einmal unter Wasser zu betrachten. Leider hatte ich den Augenkontakt allerdings kurz darauf verloren, machte mich aber trotzdem auf den Weg zurück in den Ozean. Als ich hüfttief im Wasser stand, senkte ich mein weises Haupt, um mit Hilfe der Taucherbrille erspähen zu können, ob auch kein Felsen dem Hineingleiten im Wege stünde. Ein Felsen war da nicht. Jedoch schwamm der ach so freundliche Fischotter in hohem Tempo und mit gefletschten Zähnen bis auf circa einen Meter auf mich zu. Normalerweise fletsche ich da ja gern zurück, da das mit dem Schnorchel im Mund aber nicht ging, bewegte ich mich so schnell zurück auf den Felsen, wie ich wohl noch nie auf einen Felsen gesprungen bin. Der Fischotter hat dann in offensichtlicher Einschüchterungstaktik noch für ein paar Minuten enge Bahnen entlang meines Rückzugsfelsens gezogen, ehe er irgendwann wohl doch kapiert hat, dass ich KEIN anderer Fischotter bin.

Phantombild

Eine seltsame, beängstigende Geschichte. Und ein komisches Tier. Denn ich bewege mich zwar aus ideologischen Gründen im Volk wie ein Fisch im Wasser, dennoch sollte mich ein Fischotter noch von seiner Beute unterscheiden können, zumal ja grad kein Volk da war. Ich bin also sauer, auf den Anglerkollegen mit den Hauerzähnen, denn er hat mich übel bloß gestellt. Während andere hier mit Haien tauchen, zittere ich auf meinem Felsen vor einem Otter. Ernüchternd. Rache nehmend will ich aber wenigstens noch exklusiv verraten, dass Fischotter, wenn sie nicht zugegebenermaßen elegant unter der Oberfläche entlang tauchen, beim normalen Schwimmen ein ziemlich ärmliches Hundepaddeln an den Tag legen. Der Blick geht dabei aber fixierend und starr voraus. Da sieht man die Verwandtschaft zum Löwen dann wieder…

Kommentare:

fish hat gesagt…

Sehr schön.
=)

Bjoern Richter hat gesagt…

eh alder... von ´nem otter ins boxhorn jagen lassen... tse... die weißnase, das wäre selbst pippi langstrumpf nicht passiert ;)

jensen hat gesagt…

Hast du das Phantombild selbst gezeichnet oder besser gesagt gemalt? In dir schlummern Talente, von denen du selbst nichts ahnst, oder?