Sonntag, 5. Oktober 2008

Zeit für... Anekdoten

Teil drei der Fortsetzungsgeschichte muss vorerst warten und zwar aus zwei Gründen:

1. Masifunde wird recht bald einen ziemlich, ziemlich, ziemlich bedeutenden Preis gewinnen und für die Preisverleihung brauchen wir einen Film. Ich habe daher die Ehre, für ganz wenig Geld ganz gute Produktionsfirmen, Kameras, Drehtermine und ähnliches aufzutreiben. Die Sache hat nur zwei Haken: Das ganze muss bis Donnerstag fertig sein und ich bin in Südafrika, einem Land, in dem sich die Formulierung "nownow" breitgemacht hat, weil "now" nur noch soviel heißt wie "vielleicht morgen". Europäische Hektik trifft also auf afrikanische Gelassenheit und ich bin ab morgen mittendrin, da will ich vorher wenigstens Kontakte raussuchen und dann gleich mal schlafen...

2. Es gibt einfach zuviele Anekdoten zu erzählen, die das Wochenende so produziert hat.

Die erste trug sich am Eingang des Cape Recife Nature Reserves zu. Das ist ein kleines Naturreservat vor den Toren Port Elizabeths, in dem der Indische Ozean auf schroffe Steinformationen und Sandstrände trifft und in dem sich dahinter eine weite Buschlandschaft erstreckt, in der allerhand gefiederte Freunde (Yeehaaa, die wollte ich immer noch mal unterbringen...) ihr Unwesen treiben. Das Reservat ist so klein und unbekannt, dass ich ohne Blogger Fish aus dem fernen Bremen vermutlich gar nicht von seiner Existenz gewusst hätte. Nun hab ichs am Samstag aber mal gesucht und auch prompt gefunden, dann allerdings anhand des Schlagbaums am Eingang auch schnell den Braten gerochen, dass die Weiterfahrt wohl Eintritt kostet. Und nach Zahlen war mir eigentlich nicht so... In der Folge entwickelte sich also ein zumindest von einer Seite tendenziell hinterlistiger Dialog zwischen mir und dem Parkwächter:
Ich: "Darf ich bitte durchfahren?"
Er: "Das kostet 29 Rand."
Ich: "Oh, das hier ist also ein richtiger Naturpark?"
Er: "JAA!"
Ich: "Dann akzeptieren Sie doch bestimmt auch die 'Wild Card*'"
*Die Wild Card ist eine relativ teuere Karte, mit der man in allen staatlichen Parks und Naturreservaten Südafrikas freien Eintritt bekommt.
Er: "Ja."
Ich: "Oh, dann komme ich ein anderes Mal wieder."
Daraufhin er: "Haben Sie eine Wild Card?"
Das war die Stelle, an der es bei mir klick gemacht hat...
Also ich: "Ja, aber die habe ich zu Hause vergessen."

Daraufhin ging der Mann zur Schranke und öffnete sie. Yeboooo!


Anekdote Nummer zwei ist etwas ekelig, aber ich nahm das erst nicht so wahr:
Ich laufe also völlig kostenfrei den wirklich schönen Strand in diesem Reservat entlang und da liegt da am Strand ein toter Wal. Och Mensch, Schade um das Tier denke ich mir so, während just in diesem Moment mein Telefon klingelt. Auf die Allerweltsfrage "Und was machst du so?" hab ich dann halt ehrlich und ohne groß zu überlegen geantwortet: "Ich bin am Strand und stehe vor einem toten Wal." Das fand die Anruferin irgendwie komisch. Ich nicht. Stimmte ja.

Anekdote Nummer drei führt mich zurück zum Eingang des Reservats. Da kam der Wärter aus seinem Häuschen gestürmt und stammelte umhüllt von circa zehn Höflichkeitsfloskeln ungefähr eine halbe Minute lang was von einem Gefallen, den er mir getan habe und ob ich ihm nicht auch einen tun könnte. Ich war kurz davor ihn aufzufordern, doch einfach mal zu sagen, was er denn wirklich will, da fasste er sich ein Herz: "Kannst du mich mit nach Summerstrand nehmen?" Die Entscheidung war schnell gefällt, denn durch den Stadtteil musste ich sowieso. Der Mann war allerdings noch die ganze Fahrt über völlig aufgelöst und voller Dank, dass ich ihn mitgenommen hatte. Es stellte sich nämlich raus, dass der arme Typ sonst jeden Tag nach der Arbeit (18.30 Uhr) ungefähr eine Stunde zum Büro des Naturreservats latschen muss, um dort sein Funkgerät abzugeben, ehe er dann mit dem Sammeltaxi in sein Township am nördlichen Stadtrand aufbrechen kann. Die Geschichte fand ich echt krass. Den holt halt keiner von den Bürotypen mal eben ab. Dem stellt sein Arbeitgeber nicht mal ein Fahrrad, er muss einfach laufen, denn ein tägliches Taxi würde wahrscheinlich den halben Monatslohn auffressen. Ich glaub ich fahr da demnächst mal öfter vorbei und hau dann erst um 18.30 Uhr ab. Ich hab nämlich jetzt auch lebenslang freien Eintritt, solange er da der Wächter ist, hat der Mann mir versprochen...

Die vierte und letzte Anekdote trug sich heute bei meinem ersten Einsatz für die Young Chiefs zu. Jaaaa, ich habe mein erstes Spiel bestritten, über 90 Minuten, eine Halbzeit auf Rechtsaußen und eine im Sturm und dabei unser Führungstor (Endstand leider 1:2) mit eingeleitet und kurz vor Schluss noch einen Lattenschuss vorbereitet. Ansonsten liefs eher durchwachsen, aber das soll jetzt auch gar nicht Thema sein. Mehr als meine Spielkünste war nämlich für einen der Zuschauer, der - wie ich erst nach dem Spiel bemerkt habe - wohl geistig behindert war, mein Äußeres die Hauptattraktion. Der Typ hat nahezu ohne Unterbrechung 90 Minuten lang "Mulungo" (was soviel heißt wie "weißer Fremdling") gerufen, sobald ich auch nur ansatzweise an ihm vorbeikam. Das Wort ist nun nicht wirklich rassistisch, aber es gibt durchaus nettere Weisen, jemanden auf sich aufmerksam zu machen. Ich bin nun etwas ratlos, ob ich entweder SAFA (South African Football Association) einschalten sollte, oder mich lieber darüber freue, dass mich beim Fußball spielen überhaupt mal jemand wahrnimmt...

Vielleicht könnt ihr mir bei dieser Frage ja helfen. *um mehr Kommentare bettel*

Kommentare:

fish hat gesagt…

Du hast die Wild Card zuhause vergessen? Komm vorbei, hol sie dir ab!
Fotos, Fotos, Fotos!

killerblau hat gesagt…

Yeah, mehr Anekdoten bitte, und Mulungo kann nur bewundernd gemeint sein! ;)

Alena hat gesagt…

Kommentare zu fußballbezogenen Fragen?! Haste dir gedacht!

Nee, lieber zur dritten Geschichte: Ich wusste es schon immer - nett zueinander zu sein nützt manchmal wirklich was und hilft letztendlich allen!

Sodala.

jensen hat gesagt…

Hat der Schreihals am Spielfeldrand ein Glück, dass du nicht mit Dietmar Hopp verwandt bist!

Dr. Selzsam hat gesagt…

Krrkrrkrr, an den guten Hoppi musste ich bei der Geschichte auch irgendwann denken. Aber gegen den waren die Leute ja auch richtig dolle böse, wo der Hoppi doch eigentlich son gutmütiger Sportförderer ist... Aber stimmt, vielleicht sollte ich den Club hier auch einfach kaufen.

www.delecat.de hat gesagt…

Stinkt so ein toter Wal nicht zum Himmel?

jensen hat gesagt…

Wassen los, hier passiert ja gar nüscht mehr. Hast du etwa zu viel zu tun?

;-)

Dr. Selzsam hat gesagt…

Oh oh, das riecht doch stark danach, als ob der Jensen hier Spitzel am Start hätte... Es riecht nicht nur, es stinkt wie ein toter Wal. Wobei der besagte irgendwie gar nicht so smelly war. Hmm.

helenebanner hat gesagt…

Sicher, dass der wirklich tot war?